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Eine Portion Mitleid zum Mitnehmen bitte

Das Verteidigungsdepartement bittet beim «Masken-Debakel» um Nachsicht.

Wer hätte im Februar 2020 schon geahnt, dass wir bald alle, vom Krankenpfleger im Spital bis zum Pendler im öV, die Gesichtsmaske zu unseren täglichen Begleitern zählen müssen? Das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) hat es auf jeden Fall nicht kommen sehen. Was im Anschluss geschah, ist mittlerweile unter dem Stichwort «Masken-Debakel» landesweit bekannt: Das VBS suchte mit allen Kräften nach tauglichen Hygienemasken – und schloss dabei einige Deals ab, die so manchem Steuerzahler sauer aufstiessen. Manche Masken waren ungewöhnlich teuer, andere von zu schlechter Qualität – im schlechtesten Fall beides zusammen: Vom «Blick» bis zur NZZ waren sich spätestens im Sommer 2020 alle Medien einig, dass das VBS gewaltig über den Tisch gezogen wurde.

Nun nimmt das VBS in einem internen Prüfbericht zu den Vorwürfen Stellung – und spielt dabei vor allem die beleidigte Leberwurst. Der Bericht startet mit einem poetischen Zitat: «Es gibt nur einen Weg, um Kritik zu vermeiden: Nichts tun, nichts sagen, nichts sein.» Nein, weder Viola Amherd, noch Chef der Armee Thomas Süssli haben dieses Bonmot gepredigt. Es sind die weisen Worte des Aristoteles, die das VBS vor dem drohenden Shitstorm des Wutbürgertums schützen sollen.

«Völlig unvorhersehbar und unberechenbar» sei die Situation Ende Februar 2020 gewesen. In Anbetracht der «Krisensituation» scheint man jedoch mit der eigenen Leistung nicht unzufrieden zu sein: Die bezahlten Preise seien marktgerecht gewesen, die Maskenqualitäten hätten den gängigen Standards entsprochen, das Krisenmanagement sei «zielführend» gewesen, die Lösungen «pragmatisch» und «situationsgerecht». Und ohnehin: Die 195 Millionen, die man insgesamt im Jahr 2020 für Hygienemasken bezahlt hatte, würden nur einen «verschwindend kleinen Anteil sämtlicher getätigten Covid-19-Ausgaben» darstellen.

Zum krönenden Abschluss des Prüfberichts schickt das VBS mit den Worten von Willi Ritschard einen gutgemeinten Gruss an alle Neider und Nichtsgönner im Land: «Auf hundert Besserwisser gibt es nur einen Bessermacher.» Man reiche den Beamten des VBS ein Taschentuch, eine Packung «Merci»-Pralinen und ein Dankeskärtchen – sie haben es sich reichlich verdient. (jb)

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Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
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