Eine literaturkritische Detektivstory
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Eine literaturkritische Detektivstory

Der in Zürich lebende US-Literaturwissenschafter Brian Alkire verfolgt die Spuren und Verkleidungen des deutschen Schriftstellers Johann Georg Hamann.

Goethe nannte ihn einen der hellsten Köpfe seiner Zeit. Hegel kritisierte seine Schriften ausführlich. Kierkegaard nutzte diese später, um seine eigene Philosophie zu entwickeln: Die Rede ist von Johann Georg Hamann (1730 bis 1788), deutscher Philosoph und Schriftsteller. Zwar gilt er als Wegbereiter des Sturm und Drang. Dafür allerdings ist sein Werk vergleichsweise wenig bekannt.

Der in Zürich lebende amerikanische Literaturwissenschafter Brian Alkire hat nun einen schlanken Band über Hamann veröffentlicht, der dem vielschichtigen Schreibstil und den teuflischen Impulsen in Hamanns Schriften nachgeht, besonders in seinem letzten Werk, dem «Fliegenden Brief». Ein besonderes Augenmerk legt Alkire in «The Last Mask: Hamann’s Theater of the Grotesque» dabei auf den Schreibprozess. Auf 120 Seiten zeichnet er nach, wie Hamann Wörter setzt, später verwirft und revidiert.

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Hamann beschäftigte sich intensiv mit der Sprache und ihren Möglichkeiten. Seine Texte weisen unzählige Verweise auf wichtige Werke der Literatur- und Philosophiegeschichte auf. Gleichzeitig ist er aber ein unzuverlässiger Zitierer, der seine Quellen aktiv verarbeitet und zu einem intertextuellen Süppchen kocht.

Dass nun ein junger Mann aus Michigan in Zürich den Spuren des preussischen Autors detektivisch nachgeht, passt bestens zum Inhalt – bei dem es um verborgene Schichten, Masken und Übersetzungen geht. Erschienen ist das englischsprachige Buch neu im Zürcher Verlag Diaphanes. (dj.)

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