Ein offener atlantischer Wirtschaftsraum

Ein offener atlantischer Wirtschaftsraum

Die Vereinigten Staaten und Europa sind durch gemeinsame Wertvorstellungen über Demokratie, Menschenrechte und individuelle Freiheit verbunden und haben das gemeinsame Ziel, kollektive Sicherheit und ökonomische Freiheit zu fördern. Diese Werte bilden den Kerngehalt unserer Zivilisation und werden auch von andern befreundeten Ländern geteilt.

Die atlantische Verbundenheit ist sowohl für Europa als auch für Amerika von entscheidender Bedeutung. Die Vereinigten Staaten und Lateinamerika sind ohne ihre europäischen Wurzeln nicht denkbar, und das freie und demokratische Europa hätte sich aus der Beherrschung durch totalitäre Diktaturen ohne amerikanische Hilfe nicht befreien können. In den letzten fünfzig Jahren ist die atlantische Verbundenheit für die Sicherheit und für den Wohlstand unserer Völker von zentraler Bedeutung gewesen. Drei Merkmale charakterisieren diese Verbundenheit:

Erstens: Die Europäer und die Amerikaner werden gemeinsam durch den islamistischen Terrorismus bedroht. Nach den terroristischen Angriffen in den USA, in Spanien, in Grossbritannien und in der Türkei sind wir überzeugt, dass wir der globalen Gefährdung der Sicherheit besser gemeinsam als im Alleingang entgegentreten können. Zweitens: Europäer und Amerikaner haben gemeinsame Auffassungen über globale Herausforderungen der Menschheit, wie Armut und Epidemien. Drittens: Die EU und die USA sind gemeinsam von anthropogenen Klimaveränderungen betroffen und stehen gemeinsam vor der Herausforderung einer effizienteren Energienutzung, einer Diversifizierung der Energiequellen und einer sicheren und nachhaltigen Nutzung der Energievorräte.

Ein Auseinanderdriften zwischen Europa und Amerika schwächt beide Seiten, und die Aussage trifft zu, dass ein mit Amerika verbundenes Europa jedem Problem und jedem Feind gewachsen wäre. Europäer und Amerikaner haben die gleichen Prinzipien und sind denselben Bedrohungen ausgesetzt. Darum müssen wir in verschiedenen Bereichen enger zusammenarbeiten. Die atlantische Verbundenheit soll neu bekräftigt werden. Kooperation ist vor allem in der Wirtschaft nötig.

Die neue transatlantische Agenda und die transatlantische Wirtschaftspartnerschaft haben die Grundlagen für eine starke Verbindung quer über den Atlantik gelegt, doch allzu viele Hindernisse für Handel und Investitionen bleiben noch bestehen. Unsere Bestrebungen für die Zukunft müssen über das hinausreichen, was in der Vergangenheit bereits geleistet worden ist.

Das Projekt für einen offenen atlantischen Wirtschaftsraum (Atlantic Prosperity Area), das im März dieses Jahres in Spanien lanciert wurde*, soll der atlantischen Verbundenheit im Wirtschaftsbereich neue Impulse verleihen. Es beschreibt den Weg zur vollen Liberalisierung des Handels und der Investitionen. Europäer und Amerikaner könnten von einem wachsenden Handels- und Investitionsvolumen nur profitieren, und der wiederbelebte Wettbewerb würde zu mehr Innovationen und zu erhöhter Produktivität führen, was entscheidende und nachhaltige Wohlfahrtsgewinne in Form von mehr Wachstum und mehr Arbeitsplätzen zur Folge hätte. In erster Linie kämen diese Gewinne der EU zugute. Aber auch die übrige Welt würde von dieser Initiative profitieren, einerseits direkt durch das Akzeptieren der Beitrittsofferte, und anderseits auch indirekt durch das dadurch bewirkte Wohlstandswachstum in Kraftzentrum der Weltwirtschaft.

Elf Jahre nach der Lancierung der «Neuen transatlantischen Agenda» bietet sich eine einzigartige Gelegenheit, die transatlantische Wirtschaftszusammenarbeit den neuen Realitäten anzupassen und die atlantische Verbundenheit zu festigen. Wir brauchen politisches Engagement auf höchster Ebene. Die atlantische Agenda soll mit hoher politischer Priorität an die Hand genommen werden. Ferner müssen relevante Stakeholder wie «TransAtlantic Business Dialogue» und «Transatlantic Policy Network» weiterhin mithelfen, die atlantische Verbindung zur treibenden Kraft für den Wohlstand in Europa, Amerika und der restlichen Welt zu machen. Eine breite Unterstützung für dieses Projekt durch alle, die grundsätzlich mit ihm einiggehen, ist für dessen Realisierung entscheidend.

*Francisco Cabrillo, Jaime García-Legaz, Pedro Schwartz, «A Case

for an Open Atlantic Prosperity Area». Madrid: FAES, Fundación para el Analysis y los Estudios.

José María AZNAR, geboren 1953, war von 1996 bis 2004 Ministerpräsident Spaniens.

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Dominik Imseng,
Managing Partner bei smartcut consulting,
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