Ein Glas Wein  mit Alexander Gapp
Alexander Gapp, illustriert von Matthias Wyler / Studio Sirup.

Ein Glas Wein
mit Alexander Gapp

Eine Produktionshalle im St. Galler Rheintal: Vom Eingang aus blickt man nach rechts auf ein Wohngebiet, geradeaus auf einen Parkplatz und die Schwesterfirma Boneco, nach links auf die Autobahn und dahinter: auf Österreich. Vor der Halle stehen fünf Silos, gefüllt mit dem Rohstoff Plastikgranulat. Eingeschmolzen, mit Farbe versehen und in Form gebracht, entstehen daraus die Kunststoffartikel der Firma Plaston. Bereits der Empfang der Firma ist auf Effizienz getrimmt. Statt einer Person, die sich erkundigt, wen man treffen möchte, ist Do-it-yourself angesagt: ein internes Telefonbuch und ein Telefon stehen bereit, um den CEO anzurufen. Schon wenig später steht Alexander Gapp neben mir, und wir gehen durch die lärmigen, aber gut beheizten Produktionshallen, in denen Koffer gespritzt und zusammengesetzt, Werkzeuge produziert, die Qualität der Ware geprüft wird. Weil die Kunden von ­einer Schweizer Firma nichts weniger als Perfektion erwarten, landet jedes Exemplar mit einem Fleck oder Kratzer im Ausschuss. Auch wenn es funktions­tüchtig wäre.

An die Entscheidung der Nationalbank im Januar 2015, den Frankenmindestkurs aufzugeben, kann sich Alexander Gapp gut erinnern: «Wir waren gerade mitten in den Gesprächen zur Budgetierung. Diese Entscheidung hat unsere ganzen Pläne über den Haufen geworfen.» Man habe sofort mit Programmen zur Steigerung der ­Effizienz reagiert, sich gefragt, wie das Wachstum beschleunigt, wie die Profitabilität verbessert werden könne. Der Entscheid habe in vielen Schweizer Firmen dazu geführt, dass sie nun effizienter und innovativer aufgestellt seien als ihre Konkurrenz aus dem EU-Raum: «Irgendwann ist die ­Zitrone aber ausgepresst», warnt Gapp. Wichtig ist für ihn vor allem, dass er gute Facharbeiter einstellen kann: «Operatoren und Personal für das Büro finden wir. Aber gute Facharbeiter sind rar.» Deshalb ist der Enthusiasmus für das duale System hoch, man sieht darin einen direkten Treiber der Schweizer Innovationskraft. Für die eigenen Lehrlinge wurde ein Fonds eingerichtet, auch das Weiterentwickeln von Talenten betreibe man aktiv, erzählt Gapp: «In den letzten vier Jahren ­haben wir dreissig Beförderungen vorgenommen. Wir arbeiten darauf hin, dass einer unserer Lehrlinge eines Tages den CEO-Posten übernimmt.»

Seit 1956, als Hans Frei in seiner Garage mit seinem Sohn ­Roland im Zweimannbetrieb erste Kunststoffartikel für den Haushaltsbereich und für die regionale Industrie herstellte, ist man weit gekommen. Heute beschäftigt die Plaston AG rund 400 Mitarbeiter in Widnau (Schweiz), Sluknov (Tschechien) und Jiaxing (China). An diesen drei Standorten – ein vierter wird gerade geprüft – wird in der Produktion an fünf Tagen pro Woche ein 24h-Schichtbetrieb geleistet. An welchem Standort man aber auch ist: Man versteht sich ganz klar als Schweizer Firma. Respekt, Teamwork, Vertrauen und Nachhaltigkeit sind die vier Grund­werte, nach denen sich das Unternehmen ausrichtet, und die müssen dessen Angestellte kennen: «Vor zwei Monaten erst haben wir weltweit einen Workshop durchgeführt, um jeden einzelnen Mitarbeiter mit unseren Werten vertraut zu machen.»

Gapp zeigt auf ein Hochregallager – bis oben randvoll mit Paletten, auf denen rote Kisten stehen – und sagt: «Das ist die Reserve für den Kunststoffkoffer-Bedarf unseres Kunden Hilti. Sie reicht für gerade mal fünf Tage.» Der rote Hilti-Koffer ist das bekannteste Produkt der Firma: Davon werden jedes Jahr 3,5 Millionen Stück hergestellt. Insgesamt machen die Kunststoffkoffer zwei Drittel des Produktionsvolumens aus. Neben Hilti werden sie hergestellt für Leister, Testo, Leica, Metabo, Mettler Toledo, Geberit und viele mehr. Das restliche Drittel der Produktpalette gehört den technischen Teilen, in diesem Bereich will man gemäss Strategie zulegen und tut das auch: Das Werk in China fabriziert Abdeckungen für Tankrüssel von Elektrotankstellen. Ein wichtiger Wachstumsmarkt, sagt Gapp, denn der Ausbau dieses Netzes werde von der chinesischen Regierung rasch vorangetrieben, Europa hingegen hinke mehrere Jahre hinterher. Der Qualitätsanspruch, den Plaston erfülle, werde mehr und mehr auch von chinesischer Seite gefordert.

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