Illustration: Matthias Wyler / Studio Sirup.

Ein Glas Wein mit

Andrea Klausberger / Partnervermittlung mit Herz, Flawil

 

Das Schönste aber hier auf Erden / ist lieben und geliebt zu werden», sagte einst Wilhelm Busch. Doch wenn es nur so einfach wäre: Etwa ein Viertel aller Schweizer zwischen 18 und 80 Jahren sind Single. 2019 gab es rund 17 000 Scheidungen. Andrea Klausberger, Leiterin und Inhaberin der Partnervermittlung mit Herz, hat sich daher zum Ziel gesetzt, so vielen Menschen wie möglich aus der Einsamkeit zu verhelfen. Sie bemüht sich schon seit über 30 Jahren darum.

Zwei sich verliebt ansehende Tonhühner, Keramikherzen, ein einladendes weisses Ledersofa: In der Agentur am Rand von Flawil herrscht eine dezent-romantische Stimmung. Ich habe passend einen perlenden Schaumwein mitgebracht, mich aber – weil es 10 Uhr morgens ist – für eine alkoholfreie Variante von Tröpfel entschieden.

Normalerweise trifft sich Klausberger hier zu einem persönlichen Erstgespräch mit ihren Kunden: Männern und Frauen aller Altersstufen, aus der ganzen Deutschschweiz. Nur ältere Männer sind Mangelware: «Ein Mann über 65, der auch noch gut aussieht – der geht mir weg wie ein warmes Weggli», lacht Klausberger.

Auf ihre Geschäftsidee brachte sie eine persönliche negative Erfahrung: «Die Partnervermittlung, die ich besuchte, war einfach schlecht. Da dachte ich: Das kannst du besser.» Am Anfang spezialisierte sie sich auf HIV-positive Menschen, die in den 1990er Jahren mit einem Stigma zu kämpfen hatten. Heute umfasst ihre Partnervermittlung neben dem klassischen «Er sucht sie» auch «Er sucht ihn», «Sie sucht sie» und Partnervermittlung für Menschen mit Beeinträchtigung.

«Im Zentrum steht für mich immer der Mensch», erklärt Klausberger. «Darum ist es auch so wichtig, die Kunden persönlich kennenzulernen.» Im Gegensatz zu Onlinepartnerbörsen bestimmt kein Algorithmus, wer zueinander passt, sondern Klausbergers Erfahrung und eine gute Portion Bauchgefühl. «Manchmal habe ich schon beim ersten Treffen eine Idee, wen ich vermitteln könnte», lacht sie. Natürlich gibt es bestimmte Punkte, die für eine erfolgreiche Vermittlung zu beachten sind: optische Kriterien, gemeinsame Interessen, Kinderwunsch, Tierliebe, Bildungsniveau. Es gilt: Je ähnlicher sich Leute sind, umso besser. Doch nicht auf jeden Topf passt ein Deckel: Manche Leute sind nur schwer vermittelbar. Dazu gehören Männer unter 1,65 und Frauen über 1,80 Körpergrösse, starke Raucher, sehr übergewichtige Personen, Menschen mit unbeliebten Berufen wie Metzger oder Bordellbesitzerin: eigentlich jeder, der nicht der Norm entspricht.

Liebe macht weder blind noch gleichgültig materiellen Werten gegenüber. So bevorzugen Frauen beispielsweise Architekten oder Banker. «Früher musste ein Mann das grösste Mammut erlegen, heute muss er Geld haben» schmunzelt Klausberger, «da steckt etwas tief Evolutionäres dahinter.» Frauen hingegen sollten idealerweise Coiffeuse oder Pflegefachfrau sein, letzteres wohl, weil Mann sein eigenes Alter im Hinterkopf hat. Sind Frauen zu intelligent, gelten sie als schwierig vermittelbar.

Nach erfolgtem Erstgespräch wird das
geprüfte und anonyme Dossier mit demjenigen einer passenden Person aus dem Kundenpool ausgetauscht: mit Foto, Informationen, handgeschriebener Karte. Zeigen sich beide Parteien interessiert – analoges Tinder lässt grüssen –, werden die Kontaktdaten nachgeliefert. Einem Treffen steht nun nichts mehr im Weg. Kommt eine Beziehung zustande, ist die Arbeit getan. Zumindest vorübergehend. Mitarbeiterin Desiree Gamito ist für die Nacherfassung der Kunden verantwortlich. Wenn es doch nicht geklappt hat, wird weitergesucht.

In Sachen Partnersuche hat sich einiges geändert. Doch das Aufkommen von Onlinedating habe keinen grossen Einfluss aufs Geschäft, meint Klausberger. Viele Kunden hätten es vergeblich damit versucht, bevor sie sich dann doch an sie gewandt hätten. Die grösste Herausforderung für Klausberger stellt das schlechte Image von Partnervermittlungen dar: «Viele arbeiten unseriös. Ein gutes Image aufzubauen und zu halten, kostet viel Zeit und ist sehr arbeitsintensiv.»

Und nicht zuletzt erfordert das Geschäft mit der Liebe eine dicke Haut. Wenn jemand nicht vermittelt werden könne oder eine Beziehung in die Brüche gehe, geschehe es nicht selten, dass Enttäuschung, Wut und Trauer…

«Sympathisch elitär, aber nie hochnäsig!
Die Kollegen beim MONAT wissen,
dass der liberalen Haltung ein Schuss Ironie gut bekommt.»
Rainer Hank, «FAZ»-Kolumnist,
über den «Schweizer Monat»