Deborah Luetolf, illustriert von Dunvek.

Ein Glas Wein mit

Deborah Luetolf, Workplayz, St. Antönien

 

Als das Coronavirus im März 2020 die Schweizer Wirtschaft lahmlegte, befürchtete Deborah Luetolf, den Traum des eigenen Unternehmens begraben zu müssen. Seit Monaten hatte sie mit ihrem Geschäftspartner Roger Müller die Gründung von Workplayz vorbereitet. Ihre Idee: eine Plattform für «Work­ation» – die Kombination von Arbeit und Ferien – in den Schweizer Bergen, über die Angestellte Hotels buchen können, um dort ihre Arbeit zu erledigen. Wer würde daran noch Interesse haben, wenn die Wirtschaft gerade durch eine Pandemie zum Stillstand gebracht wurde?

Doch aus dem vermeintlichen Rohrkrepierer wurde eine Idee, die den Zeitgeist traf. «Bleiben Sie zu Hause!», lautete plötzlich die Parole. Und manch ein Arbeitnehmer überlegte sich bald, dass er, wenn das Büro ohnehin tabu war, auch gleich von ganz woanders aus arbeiten könnte. Die Nachfrage nach Ferienwohnungen stieg steil an. «Workation» war plötzlich in aller Munde.

Auf diesen Zug will auch Workplayz aufspringen. Das Konzept ist simpel: Man wählt einen Ort aus, an dem man arbeiten möchte. Engelberg? Olivone? Bergün? 22 Destinationen stehen aktuell zur Auswahl. Man reserviert und verlagert das Homeoffice für ein paar Tage in die Berge, arbeitet mit Aussicht auf schneebedeckte Gipfel und kurvt in der Mittagspause kurz auf den Ski oder mit dem Mountainbike den Berg hinunter.

Workplayz richtet sich vor allem an Unternehmen, die ihren Mitarbeitern so einzelne Workation-Plätze anbieten oder auch Gruppen-Workations organisieren können. Das Angebot stehe auch einzelnen Arbeitnehmern oder Selbständigen offen, sagt Luetolf, der Hauptteil ihres Geschäfts machten aber Firmen aus. «Für sie ist es eine Möglichkeit, sich als attraktiven Arbeitgeber zu positionieren.» In Zeiten von Fachkräftemangel sei das ein wichtiger Faktor. Work­ations seien aber nicht für alle Unternehmen gleich gut ge­eignet. «Remote-Work muss zur Unternehmenskultur passen», sagt Luetolf auf Schweizerdeutsch mit holländischem Akzent. Wir sitzen im Hotel Grischa in Davos, einem der Partnerhotels von Workplayz. Es ist ein Frühlingstag wie aus dem Bilderbuch, und ich kann die Arbeitnehmer gut verstehen, die lieber hier arbeiten als im Grossstadtbüro.

Die 38jährige gebürtige Niederländerin hat die Vorzüge von Workation selber schätzen gelernt, als sie in der Immobilienbranche tätig war. Als ihr Mann die Möglichkeit erhielt, in Graubünden zu arbeiten, überzeugte sie ihren damaligen Arbeitgeber, ebenfalls von dort aus arbeiten zu dürfen. Seither möchte sie nicht mehr weg. Einmal sass sie mit ihrem Kollegen Roger Müller zusammen und genoss die Sonne, während das Unterland vom Nebel bedeckt war. «Da fragten wir uns: Warum macht das eigentlich nicht jeder?» Die Idee für ein Unternehmen, das Workations anbietet, war geboren.

Noch ist das Start-up mit drei Mitarbeitern klein und hat die Gewinnschwelle noch nicht erreicht. Das soll sich ändern. Für Ende dieses Jahres ist eine Investorenrunde geplant. Workplayz soll rasch wachsen; auch eine Expansion ins Ausland kann Luetolf sich vorstellen. Sie glaubt, dass ­Remote-Work Teil der Arbeitswelt bleiben wird, auch wenn die Pandemie vorbei ist und die Arbeitnehmer ins Büro zurückkehren – zumindest teilweise. «Arbeit und Freizeit vermischen sich zunehmend. Viele Leute machen sich Gedanken dar­über, ob ihre Arbeit sie erfüllt und ob sie etwas Sinnvolles machen.» Luetolf verweist auf die «Great Resignation», eine Entwicklung, die derzeit vor allem in den USA zu beobachten ist: Hunderttausende von Arbeitnehmern haben dort ihre Stelle aufgegeben; Firmen suchen händeringend nach Arbeitskräften.

Für die Schweiz als Unternehmens­standort findet Luetolf nur lobende Worte. Die Unternehmensgründung sei problemlos gewesen, der Kanton Graubünden habe sie mit Coaching und einem finanziellen Beitrag unterstützt. Zwar seien die Leute hier etwas zurückhaltender und skeptischer gegenüber neuen Ideen als anderswo, was die Gründung von Unternehmen erschwere. Vielleicht sei das aber auch ein Vorteil.

Und wo arbeitet Luetolf am liebsten? Sie muss nicht lange überlegen: «Zu Hause.» Das liege aber vor allem daran, dass…

«MONAT für MONAT
eine sinnvolle Investition.»
Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
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