illustriert von Studio Sirup

Ein Glas Wein mit

Ghamkin Saleh, Inhaber der Coiffeur Saleh GmbH, Zürich

 

Die Erfüllung seines Traumes blieb Ghamkin ­Saleh in Syrien verwehrt. Als Kurde konnte er keine Filmschule besuchen. In der Schweiz war ihm das möglich, und heute dreht er Spielfilme. Sein aktuelles Herzensprojekt heisst «Auf der Spur von Tayaro». Das Thema seines neuen Films kennt der Unternehmer aus eigener Erfahrung nur zu gut: Migration – und was man verlieren kann, wenn man seine Träume in Europa verwirklichen will. Die Storyline folgt einem syrischen Kurden, der seine Heimat verlässt, um seinen einzigen Sohn in Europa zu suchen und zur Heimkehr zu bewegen.

Ein Crowdfunding sicherte innerhalb weniger Wochen die Finanzierung des Werkes. Die Hälfte der Szenen wurde bereits in Kurdistan gedreht. In den kommenden Monaten stehen die Szenen in Griechenland, Italien und der Schweiz an. Probleme macht nun aber die offizielle Arbeitsbewilligung für den Hauptdarsteller Ibrahim Jomaa, der die Figur Bavé Tayaro verkörpert. Diese ist in Syrien und Kurdistan so bekannt wie bei uns «Mr. Bean». In der Schweiz kennt man weder die Kunstfigur noch den etablierten Schauspieler, der dahintersteckt. Salehs Antrag für ein auf drei Monate befristetes Arbeitsvisum für den Schauspieler wurde deshalb abgeschmettert.

Der Forderung des Zürcher Migrationsamtes, die offene Stelle von Bavé Tayaro dem RAV zu melden, kann Saleh nicht Folge leisten. Denn das Drehbuch ist eng mit der Figur verknüpft. Der Hauptdarsteller lässt sich in einem halb gedrehten Film nicht einfach ersetzen. Ein schlechtes Wort über die Schweiz kommt dem Unternehmer, der seit 2009 Schweizer ist, dennoch nicht über die Lippen. Das Drehen von Spielfilmen war immer das Ziel von Saleh, und nun hat er es erreicht.

Als er mit 23 Jahren als politischer Flüchtling mittellos in Zürich ankommt, steht für ihn zuerst seine wirtschaftliche Existenz im Vordergrund. Sein erster Job: Tellerwäscher in einer Zürcher Pizzeria, in der Freizeit schneidet er seinen Kollegen die Haare. Neben der Arbeit studiert er an der F+F-Schule für Kunst und Design, wo er das Diplom als Filmregisseur erlangt.

Als sich ihm die Chance bietet, eröffnet er 1999 seinen ersten Coiffeursalon. Sein Geschäftsprinzip: Ein Haarschnitt dauert nicht länger als 20 Minuten und kostet maximal 32 Franken. Womit er die Coiffeurbranche gehörig schockte. «Rückblickend fühle ich mich manchmal wie ein ‹Marktverbrecher›», sagt er, «aber ich wollte in einer Marktnische überleben.» Natürlich habe ihn die Konkurrenz sehr genau beobachtet. Doch er habe immer alle gesetzlichen Anforderungen eingehalten – die Arbeitszeiten sowieso, er habe auch immer die marktüblichen Löhne bezahlt.

Inzwischen hat der 51-Jährige zahlreiche Nachahmer gefunden – die Saleh-Filialen bleiben aber das Original. Heute ist er Chef von 19 Coiffeursalons mit über 130 Angestellten – und das, ohne selbst je eine Coiffeurausbildung gemacht zu haben. Wieso er trotzdem Erfolg hatte? «Meine Coiffeurgeschäfte stehen auch für Gastfreundlichkeit, und das hat sich herumgesprochen. Bei uns kann jeder unangemeldet in einen Salon kommen und kommt innert kurzer Zeit dran. Die Wartezeit versüssen wir ihm mit einem Tee.»

Zu den Coiffeurgeschäften sind in den letzten Jahren noch zwei Restaurants und eine Konditorei mit syrischen Spezialitäten hinzugekommen. Saleh hat nicht vergessen, wo er herkommt. Die meisten seiner Angestellten sind Migranten wie er. «Ich hatte viel Glück im Leben und möchte der Schweiz ein bisschen etwas zurückgeben.» Deshalb gibt er auch Migranten mit Sek-B-Abschluss die Chance, bei ihm eine Lehre anzutreten. Denn es liege bei Migranten häufig an den Sprachkenntnissen, dass es nur für einen Schulabschluss reiche, bei dem die Lehrstellensuche nicht einfach sei. Er selbst hatte auch mit der deutschen Sprache zu kämpfen, beherrscht diese heute aber fast perfekt. Entscheidend bei der Einstellung sei für ihn einzig und allein die Motivation eines jungen Menschen. «Der Erwerb der Sprache kommt später automatisch», sagt Saleh. Natürlich schafften es nicht alle,…

«Sympathisch elitär, aber nie hochnäsig!
Die Kollegen beim MONAT wissen,
dass der liberalen Haltung ein Schuss Ironie gut bekommt.»
Rainer Hank, «FAZ»-Kolumnist,
über den «Schweizer Monat»