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Ein Gesellschaftsmodell steht in Frage

«Der Wert des Dollars sinkt und sinkt. Die Kapriolen des Euros sind nicht weniger besorgniserregend. Seit anfangs Jahr ist der Trend völlig eindeutig. Die kleinen Erholungsphasen spenden nur minimalen Trost. Pessimismus beherrscht vorwiegend das Stimmungsbild. Und dies mit guten Gründen, hat doch der gestiegene Schweizer-Franken-Kurs als Spiegelbild der rasenden Talfahrt des Dollars einen Stand erreicht, […]

Ein Gesellschaftsmodell steht in Frage

«Der Wert des Dollars sinkt und sinkt. Die Kapriolen des Euros sind nicht weniger besorgniserregend. Seit anfangs Jahr ist der Trend völlig eindeutig. Die kleinen Erholungsphasen spenden nur minimalen Trost. Pessimismus beherrscht vorwiegend das Stimmungsbild. Und dies mit guten Gründen, hat doch der gestiegene Schweizer-Franken-Kurs als Spiegelbild der rasenden Talfahrt des Dollars einen Stand erreicht, der wohl kaum mehr als Ausdruck der in der gleichen Zeitspanne eingetretenen realwirtschaftlichen Verschiebungen verstanden werden kann. In der Fachsprache nennt man dieses Phänomen ‹over-shooting› – eine Bezeichnung für hektische Kursschwankungen, aber keine Erklärung. Der Laie staunt; für einmal wundert sich auch der Fachmann nicht wenig.»

Diese höchst aktuellen Zeilen – wir haben bloss das «D-Mark» durch «Euro» ersetzt – stammen aus den «Schweizer Monatsheften», Ausgabe vom September 1978, als der Dollar und die Deutsche Mark schwächelten. Ihr Verfasser ist Willy Linder, Leiter des Wirtschaftsressorts der NZZ und ausserordentlicher Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Zürich.

Es war damals und ist heute unbestritten: die relative Stärke des Schweizer Frankens hat realwirtschaftliche Gründe. Das ist zuerst einmal eine gute Nachricht, auch wenn diese Stärke dafür verantwortlich ist, dass Anleger und Spekulanten aus aller Herren Ländern den Kurs des Frankens durch Zukäufe in die Höhe treiben. Dieselben Politiker und Agenturen, die bis vor kurzem die Schuldenwirtschaft und die Rettungspolitik der EU-Staaten und der USA mit Verve verteidigten, bekommen plötzlich kalte Füsse. Und die Investoren flüchten in den Franken, von dem sie sich eine Linderung der Unsicherheit – oder positiv formuliert: relative Stabilität – versprechen.

Es geht hier nicht darum, die Angemessenheit spezifischer Massnahmen der Schweizerischen Nationalbank zu diskutieren. Im Zentrum steht das Grundsätzliche. Unsere Autoren analysieren seit Jahr und Tag die Entwicklungen, die zu jener «Schuldenorgie» (Jörg Guido Hülsmann) geführt haben, die nicht nur den ökonomischen Mainstream, sondern auch ein ganzes Gesellschaftsmodell in Frage stellt. Karen Horn zeigt in ihrem Essay nochmals auf, welches die Ursachen jener Symptome sind, die nun sichtbar werden. Darüber hinaus präsentieren wir eine Auswahl an Passagen aus Texten unserer Autoren, die die Situation mit der nötigen Nüchternheit analysiert und vorsichtig antizipiert haben – die entsprechenden Texte sind auf unserer Homepage im Volltextmodus aufgeschaltet.

Zurück zu Willy Linder. Was, wenn die Nationalbank dereinst ihre «Batterien leergeschossen» und mit «ihrem Latein am Ende» ist? Dann helfen wiederum nur jene Massnahmen, die bloss ein Ziel verfolgen und auf die gesamte Volkswirtschaft durchschlagen: die Produktionskostenentwicklung unter Kontrolle halten. Was die Schweiz stark gemacht hat, wird auch fürderhin ihre Stärke garantieren: ein schlanker Staat, unternehmerischer Freiraum, tiefe Steuern, hohe Arbeitsmoral, freier Arbeitsmarkt. Am Ende ist es ganz einfach: wir müssen einfach besser und länger arbeiten als alle anderen.

Die Redaktion

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