Ein Ausflug auf den Spuren Goethes

Die Region rund um die Stadt Zürich bietet sich bestens für winterliche Spaziergänge an. Ein Ort sticht aber besonders hervor.

Ein Ausflug auf den Spuren Goethes
Bild: Der Katzensee, fotografiert von Mikhail Shalaev

 

Die Fallzahlen steigen wieder und die Pandemiemüdigkeit setzt jedem zu. Wenn man des Maskentragens und Abstandhaltens überdrüssig ist, ist vor allem eines empfehlenswert: Ab ins Freie, um den Kopf zu lüften.

An Zürichs Stadtgrenze bietet sich dazu eine tolle Gelegenheit: Wenn man die Stadt im Norden Richtung Rümlang verlässt, muss lediglich eine Brücke, die über den Nordring führt, passiert werden, um ins Naturschutzgebiet des Katzensees zu gelangen. Wiesen, Äcker und Waldstücke prägen das urtümliche Landschaftsbild und wenn man in Richtung Stadt blickt, eröffnet sich eine Aussicht auf den Hönggerberg, den Üetliberg und bei klarem Himmel sogar auf die weissen Berggipfel der Alpen. In diese Umgebung ist der Katzensee eingebettet, welcher aus einem oberen und einem unteren Teil besteht, die durch einen Kanal miteinander verbunden sind. Nach einem Spaziergang durch einen kleinen Abschnitt Wald gelangt man zum Ufer des oberen Sees, der sich im Sommer als Strandbad grosser Beliebtheit erfreut. Im Winter herrscht eine unergründlich mythische Atmosphäre und das stille Gewässer lädt seine Besucher zum Verweilen ein.

Dem Wanderweg entlang geht es zum unteren Teil des Sees, in dessen unmittelbarer Nähe der Weiler Katzenrüti liegt. Hier lebte im 18. Jahrhundert der Bauer Jakob Gujer, der sich über die Grenzen der Eidgenossenschaft hinaus als Reformer der Landwirtschaft einen Namen machte. 1775 empfing er den jungen Johann Wolfgang von Goethe, welcher von Gujer so begeistert war, dass er ihm 1779 sogar in Begleitung des deutschen Fürsten Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach einen zweiten Besuch abstattete. Heute erinnert eine Tafel am Bauernhaus an diese Ereignisse. Ein kleiner Rundgang lohnt sich allemal. Im Gegensatz zum grossen Dichter muss man jedoch nicht mit der Kutsche anreisen. Parkplätze für das motorisierte Gefährt stehen zumindest in den Wintermonaten im ausreichenden Masse zur Verfügung. (ms)

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