Editorial

Während eines klugen Vortrags begann der CEO einer Schweizer Privatbank plötzlich von einer verschlafenen Fischerstadt namens Bagamoyo zu erzählen. Vor zehn Jahren, auf meiner Reise entlang der Küste Tansanias, deutete noch nichts darauf hin, dass Bagamoyo auf dem Radar von Schweizer Bankiers landen könnte. Seither hat sich vieles getan. Im Dezember 2015 begann Tansania, in […]

Während eines klugen Vortrags begann der CEO einer Schweizer Privatbank plötzlich von einer verschlafenen Fischerstadt namens Bagamoyo zu erzählen. Vor zehn Jahren, auf meiner Reise entlang der Küste Tansanias, deutete noch nichts darauf hin, dass Bagamoyo auf dem Radar von Schweizer Bankiers landen könnte. Seither hat sich vieles getan. Im Dezember 2015 begann Tansania, in Bagamoyo den grössten Tiefseehafen in Afrika zu bauen. Finanziert wird das 11 Milliarden US-Dollar teure Projekt von einer staatlichen chinesischen Investmentfirma. Der Hafen soll zum Drehpunkt einer Art maritimer Seidenstrasse unter der Kontrolle Chinas werden.

China ist in Afrika – und Europa? Sagen wir es offen: Der vom Kap bis nach Kairo reichende Kontinent ist für die meisten Europäer ein traurig-weisser Fleck auf der Landkarte. Das kann – und muss – sich ändern. Wir haben den rasanten Wandel zum Anlass genommen, einen neuen Blick auf Afrika zu werfen. Mehr dazu ab S. 12.

Den Blick von den Gängen der Uni in Princeton über den Zürcher Zoo bis nach Afrika schweifen lässt auch Neurowissenschafter Michael Graziano. Sein Essay über die gemeinsamen Ursprünge des menschlichen Lachens, Weinens und Lächelns (S. 40) erklärt nicht nur, was Sie in Ihrem S/W-Business-Outfit noch vom Zebra unterscheidet, sondern auch, was zu tun ist, wenn Sie mal wieder Zeuge japanischen Jagdverhaltens (speziell: auf Australier) werden.

Apropos Jagen: Die Freiheit der Zunge ist Voraussetzung für alle anderen Formen von Freiheit. Dass unsere Autoren schreiben können, was sie denken, ist jedoch keine Selbstverständlichkeit. Nicht nur in Russland wird in Frage gestellt, was scharfzüngige und freiheitliche Denker im 18. Jahrhundert erkämpft haben. Im Dossier ab S. 53 zeigen Autoren aus aller Welt, welchen Wert Meinungsfreiheit heute hat, was sie voraussetzt und wer sie aus welchen Motiven unterhöhlt.

Viel Vergnügen!

Florian Rittmeyer

Chefredaktor