Editorial

Ein Staat, in dem alles öffentlich und nichts privat ist: dies ist meiner Meinung nach noch immer die konziseste Definition dessen, was eine totalitäre Gesellschaft in ihrem Innersten ausmacht. Wer solche Sätze schreibt, kommt sich in der digitalen Welt mittlerweile freilich wie ein Dinosaurier vor. Den eidgenössische Datenschützer Hanspeter Thür, der einst für die Grünen […]

Ein Staat, in dem alles öffentlich und nichts privat ist: dies ist meiner Meinung nach noch immer die konziseste Definition dessen, was eine totalitäre Gesellschaft in ihrem Innersten ausmacht. Wer solche Sätze schreibt, kommt sich in der digitalen Welt mittlerweile freilich wie ein Dinosaurier vor. Den eidgenössische Datenschützer Hanspeter Thür, der einst für die Grünen im Parlament sass, fechten solche Anwandlungen nicht an. Er warnt in seinem exklusiv für den «Monat» verfassten Essay vor allzu viel Naivität, denn: «Der Zweck der
angeblichen Sicherheit heiligt die Mittel der konsequenten Verdächtigung.» Kommt es bald zum Umdenken? Mehr über den globalen Überwachungsstaat und mögliche Gegenstrategien engagierter Bürger im grossen Essay.

Unser thematischer Schwerpunkt steht diesmal im Zeichen der Debattierfreudigkeit – und greift eine Frage auf, die angesichts zahlreicher interventionistischer Abstimmungen in der Schweiz aktueller nicht sein könnte: Bestimmt die Politik über die Wirtschaft – oder die Wirtschaft über die Politik? Christoph Blocher, Christian Levrat, Karen Horn und Gebhard Kirchgässner kreuzen im Dossier ab S. 51 die Klingen. Und sie treten bald öffentlich auf und debattieren mit Florian Rittmeyer und mir über ihre Thesen. Sie sind herzlich eingeladen! Mehr zum Debattierabend erfahren Sie hier.

Viele Leser fragen sich: Was tun Redaktoren eigentlich den ganzen Tag? Klar: sie redigieren. Sie korrespondieren. Sie telephonieren. Sie organisieren. Und sie sind stets auf der Suche nach in­teressanten Leuten! In dieser Ausgabe präsentieren wir eine Auswahl unserer besten Begegnungen der letzten Monate. Lesen Sie das Gespräch mit dem Wissenschaftshistoriker Hans-Jörg Rheinberger über biologistische Menschenbilder; das Gespräch mit Ex-Punkrocker und Hedge Fund Manager David Harding über die Kunst der Spekulation; das Gespräch mit Ökonom Gunnar Heinsohn und Bankier Karl Reichmuth über echte und falsche Werte und das Gespräch mit Bestsellerautor Jonathan Safran Foer über die Zukunft des Buches.

Thor Kunkel sei einer der spannendsten Schriftsteller Deutschlands, schrieb vor fast zehn Jahren der britische «Guardian». Seit 2011 ist es still geworden um ihn. Nun meldet er sich aus der Schweiz zurück: seine im Baltschiedertal an den Südflanken des Bietschhorns entstandene Bergmeditation «Felsgeburt» ist der würdige literarische Abschluss des Wanderjahres 2013. Unterwegs war auch Silvia Tschui. Die junge Schriftstellerin schaut in ihrer Kurzreportage hinter die Kulissen von Deutschlands renommiertestem Boxstall. Und damit in testosteronschwangere Abgründe.

Anregende Lektüre!

«Sympathisch elitär, aber nie hochnäsig!
Die Kollegen beim MONAT wissen,
dass der liberalen Haltung ein Schuss Ironie gut bekommt.»
Rainer Hank, «FAZ»-Kolumnist,
über den «Schweizer Monat»