Editorial

Man kennt es, das «Unbehagen im Kleinstaat», und sei es nur als Schlagwort. Geschrieben hat die Studie über fünf Schweizer Schriftsteller und deren Leiden an der Kleinheit ihrer Heimat Karl Schmid. Der Germanist und Oberst im Generalstab der Schweizer Armee war eine prägende Figur der Schweiz des 20. Jahrhunderts. Er verstand sich als Staatsbürger, dessen Denken und […]

Editorial
Archiv für Zeitgeschichte: Nachlass Karl Schmid.

Man kennt es, das «Unbehagen im Kleinstaat», und sei es nur als Schlagwort. Geschrieben hat die Studie über fünf Schweizer Schriftsteller und deren Leiden an der Kleinheit ihrer Heimat Karl Schmid. Der Germanist und Oberst im Generalstab der Schweizer Armee war eine prägende Figur der Schweiz des 20. Jahrhunderts. Er verstand sich als Staatsbürger, dessen Denken und Handeln sich an der Schweiz orientierten. War Karl Schmid ein Citoyen? War er eher ein Bourgeois? Oder beides zugleich? Und wie steht es heute: Wie soll und will man Bürgerengagement nennen, da wir «aus der Moderne auf einen Abend des Bürgertums blicken» (vgl. Bernd Roeck im Podium)?

Diese und andere Fragen diskutierten an der Vernissage zur Biographie über Karl Schmid dessen Zeitgenossen, Schüler und heutige Leser. Mit der Biographie bringt die Karl-Schmid-Stiftung ihre Tätigkeit nach 20 Jahren zum Abschluss. Gefeiert wurde dies am 3. April 2013 mit einer Dernière in der ETH Zürich, an der Schmid lehrte und der er auch als Rektor vorstand. Die vor zahlreich erschienenen Gästen gehaltenen Referate sowie die anschliessende Podiumsdiskussion dokumentieren wir für Sie exklusiv in dieser Sonderpublikation. Thomas Sprecher beschreibt die Herausforderungen beim Verfassen einer Biographie im allgemeinen und jener Schmids im besonderen. Peter von Matt erinnert sich an den Lehrer, Denker und Zeitgenossen Schmid. Georg Kohler denkt über die Unzeitgemässheit der Kategorie «Kleinstaat» nach, und Monika Weber, Adolf Muschg, Hugo Bütler und Bernd Roeck diskutieren über den «Citoyen» von heute.

Dass wir das Sonderthema zu Karl Schmid herausgeben, ist Ausdruck unseres verlegerischen Engagements. Die Fragen, die Karl Schmid bis zu seinem Tode vor rund 40 Jahren an seine Gegenwart richtete, sind auch heute noch «frag-würdig» (Muschg). Wir wünschen Ihnen, liebe Leser, viel Vergnügen mit dem Denker Karl Schmid, der zwar kein «Monat»-Autor war, aber einer hätte sein können – und es hiermit auch irgendwie ist.

«Ein Sprudelbad fürs Hirn!»
Monique Bär, Philanthropin und Gründerin der Arcas Foundation,
 über den «Schweizer Monat»