Editorial

Keine Frage: wir leben in spannenden, in spannungsvollen, in gespannten Zeiten. Die Nachbarländer, an denen die Schweiz sich wirtschaftlich jahrzehntelang gemessen und sich dabei wohlgefühlt hat, sind längst nicht mehr die Benchmark. Grosse institutionelle Gebilde wie die Europäische Union haben Risse bekommen und beginnen zu wanken. Neue, fremde, grosse Mächte treten auf und gehen in […]

Keine Frage: wir leben in spannenden, in spannungsvollen, in gespannten Zeiten. Die Nachbarländer, an denen die Schweiz sich wirtschaftlich jahrzehntelang gemessen und sich dabei wohlgefühlt hat, sind längst nicht mehr die Benchmark. Grosse institutionelle Gebilde wie die Europäische Union haben Risse bekommen und beginnen zu wanken. Neue, fremde, grosse Mächte treten auf und gehen in Europa, aber auch auf dem ressourcenreichen afrikanischen Kontinent oder in Südamerika auf Einkaufstour. Die Lage ist unübersichtlich, der strategische Opportunismus nimmt zu, eine ordnende Weltmacht existiert nicht mehr. Wird das 21. Jahrhundert ein asiatisches sein? Werden Merkantilismus und Protektionismus wieder aufleben? Kommt die althergebrachte multipolare Machtpolitik wieder zum Zuge, während internationale Gremien und Institutionen, die für Recht und Ordnung sorgen, an Einfluss verlieren? Werden sich autoritäre Staatenmodelle mit integrierter Wirtschaftspolitik bewähren und westliche Demokratien mit einer halbwegs freien Wirtschaft unter Druck
setzen? Wie vermögen westliche Staaten den bisherigen Wohlstand und sozialen Frieden zu wahren?

 

Das sind Fragen, die die Schweiz beschäftigen müssen. Was bedeuten die skizzierten Entwicklungen für die zugleich bodenständige und global vernetzte Alpenrepublik? Wie soll sie sich intern positionieren? Wie flexibel kann der Kleinstaat in Zukunft agieren? Wie viel Macht kann er in die Waagschale werfen? Wie und wie weit soll er sich in internationale Organisationen einbinden lassen? Mit wem soll die Schweiz in einer neuen unübersichtlichen Welt zusammenspannen und zu wem sollte sie Distanz wahren?

 

Strategieüberlegungen haben in der helvetischen Öffentlichkeit an Relevanz gewonnen. Das Forum der Max Schmidheiny-Stiftung bietet Gelegenheit, solche Diskussionen ohne Scheuklappen zu führen. Das diesjährige Forum, das Mitte Oktober 2012 in Bad Ragaz stattfand, galt der Reflexion über die wirtschafts- und geopolitische Zukunft der Schweiz. Unternehmer, Politiker, Medienvertreter und andere engagierte Menschen haben ihre Standpunkte ausgetauscht, Szenarien antizipiert und strategische Optionen für die Schweiz hinterfragt. Mit dieser Sonderpublikation sollen die Diskussionen in die Öffentlichkeit getragen werden und Anlass zu vertiefter Reflexion bieten.

 

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«Sympathisch elitär, aber nie hochnäsig!
Die Kollegen beim MONAT wissen,
dass der liberalen Haltung ein Schuss Ironie gut bekommt.»
Rainer Hank, «FAZ»-Kolumnist,
über den «Schweizer Monat»