Editorial

Hanspeter Thür, Eidgenössischer Datenschutzbeauftragter seit 2001, ruft aus: «Am Ende muss der Datenschützer das Bankgeheimnis gegen die Banken verteidigen!» Für die Linken hört der Schutz der Privatsphäre auf, wo es ums Portemonnaie geht. Und die Bürgerlichen, für die der Datenschutz eigentlich beim Portemonnaie beginnt, geben neuerdings klein bei. Der Zeitgeist ist ein opportunistisches Wesen. Thür […]

Editorial

Hanspeter Thür, Eidgenössischer Datenschutzbeauftragter seit 2001, ruft aus: «Am Ende muss der Datenschützer das Bankgeheimnis gegen die Banken verteidigen!» Für die Linken hört der Schutz der Privatsphäre auf, wo es ums Portemonnaie geht. Und die Bürgerlichen, für die der Datenschutz eigentlich beim Portemonnaie beginnt, geben neuerdings klein bei. Der Zeitgeist ist ein opportunistisches Wesen. Thür jedoch bleibt standhaft. Und er warnt: Westliche Demokratien entwickeln sich zu totalen Staaten. Der Staat darf alles – und die Bürger stehen unter Generalverdacht. Mehr im grossen Gespräch.

Rahel Senn ist ein Ausnahmetalent. Die junge Pianistin und Komponistin hat Wurzeln in der Schweiz und in Singapur, vor einem Dreivierteljahr ist sie in den asiatischen Stadtstaat gezogen. Als wir ihren Essay zur «Ungleichzeitigkeit der Globalisierungen» in den Händen hielten, war rasch klar: Diese Frau spricht aus, was man über das Vorzeigeprojekt Singapur derzeit nur selten hört. In der neuen Ausgabe berichtet sie von städteplanerischen Utopien, kulturellen Idealisten – und von einer Kopie des Matterhorns aus Styropor – und ab Juni schreibt sie für uns eine exklusive Kolumne.

Rahel Senn hat ihr universitäres Diplom in der Tasche und ist international erfolgreich. Das Studium ist aber keine Garantie für Erfolg, sondern blosse Chance – also eine Investition. Eine Investition auch in das eigene Humankapital, der wichtigsten persönlichen Ressource. Sind die heutigen Studenten schon echte Unternehmer ihrer selbst? Mehr von Nobelpreisträger Gary S. Becker, Mathias Binswanger, Rainer Eichenberger, Greta Patzke, Birger Priddat und Georg von Krogh im Dossier.

Neue Ideen zum belasteten Verhältnis zwischen der Schweiz und den USA finden Sie in einem Artikel von den Amerikanern Brian Mitchell und Brian Garst; mehr zum schwierigen Umgang von Mann und Frau gibt es diesmal von Roy Baumeister und Walter Hollstein; mehr zum merkwürdigen Auftrieb sozialistischer Initiativen in der Schweiz von Andrea Caroni; mehr zum Halbwissensprojekt Wikipedia von René Zeyer und mehr zum neuen helvetischen Kulturkampf von Viktor Giacobbo und Philipp Meier.

Der «Literarische Monat» beschäftigt sich im Mai mit der «Generation der Unentschlossenen». Genauer: mit jungen Schweizer Schriftstellern, die das Lebensgefühl der «Generation 25+» auf den Punkt bringen. In dieser Ausgabe sind das u.a. Newcomer Matthias Nawrat aus Biel, Reynald Freudiger aus dem Waadtland und Zoe Jenny, die sich für uns aus der Toskana meldet. Den «LM» gibt es – wie gewohnt – in voller Länge auch online.

Wir wünschen anregende Lektüre!

«Das intelligenteste
Magazin der Schweiz.»
Rolf Dobelli, Bestseller-Autor und Unternehmer,
über den «Schweizer Monat»