Editorial

Budapest im Herbst 1956 – friedliche Demonstrationen, blutige Strassenkämpfe, Proklamationen, Euphorie, am Ende rollen sowjetische Panzer. Der Aufstand der Ungarn wird nach 12 Tagen niedergeschlagen. Der Freiheitskampf endet mit mehr als 2’000 Toten; weit über 200 Personen werden später hingerichtet.

Die Schweizer Bevölkerung nahm in jenen Herbsttagen grossen Anteil am Geschehen. Zwischen Hoffen und Bangen sassen viele vor ihren Radios und verfolgten das Drama. Als es in den Tagen nach dem 4. November offensichtlich wurde, dass der Kampf verloren war, erfasste eine beispiellose Hilfs- und Spendenbereitschaft das Land.

Was geschehen war, sollte das politische Weltbild einer ganzen Generation nachhaltig beeinflussen. Mit der kommunistischen Ideologie verbanden viele Schweizer fortan totalitäre Herrschaft und gewaltsame Unterdrückung. 200’000 Ungarn flohen ins Ausland, rund 14’000 wurden in der Schweiz aufgenommen. Spontan stellten Schweizer das Nötigste zur Verfügung und unterstützen die Flüchtlinge bei deren Eingliederung, verhalfen ihnen zu Wohnung, Arbeit, Ausbildung.

50 Jahre nach dem Aufstand widmen wir unser Heft nicht nur Ungarn 1956, sondern auch Ungarn 2006. Im Dossier analysieren Fachleute die gescheiterte Revolution und ihre Folgen, Zeitzeugen kommen zu Wort, eine Schweizer Historikerin beschreibt die Ungarnhilfe der Schweiz aus dem Abstand einer Generation. Im Kommentarteil beschäftigen sich ungarische Intellektuelle mit der politischen und wirtschaftlichen Lage in ihrem Land, dessen Situation sich im Anschluss an die doppelte Integration EU/Nato grundlegend verändert hat. In der Rubrik «Persönlichkeit» schliesslich wird mit Vilma Hugonnai eine Frau gewürdigt, deren Lebensweg als erster Ärztin Ungarns und früher Kämpferin für die Rechte der Frauen wenig bekannt ist.

«Der Entkalker fürs Hirn:
Nicht links, nicht rechts –
einfach intelligent!»
Dominik Imseng,
Managing Partner bei smartcut consulting,
über den «Schweizer Monat»