Editorial

Es waren in Armut lebende Eltern, die ihre Kinder weggaben. Es waren aber auch die Behörden, die die Kinder den Eltern wegnahmen. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein wurden «Verdingkinder» in fremde Familien plaziert. Zumeist wurden sie als günstige Arbeitskräfte verdingt, da sie sich kaum wehren konnten. Lesen Sie im Dossier ab S. 19 die […]

Es waren in Armut lebende Eltern, die ihre Kinder weggaben. Es waren aber auch die Behörden, die die Kinder den Eltern wegnahmen. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein wurden «Verdingkinder» in fremde Familien plaziert. Zumeist wurden sie als günstige Arbeitskräfte verdingt, da sie sich kaum wehren konnten. Lesen Sie im Dossier ab S. 19 die Beiträge zur Aufarbeitung dieses Kapitels der jüngeren Schweizer Geschichte. A propos: die Ausstellung «Verdingkinder reden», die während fünf Jahren an verschiedenen Orten in der Schweiz zu sehen sein wird, öffnet ab Ende März in Bern.

Das helvetische Bankkundengeheimnis ist zwar noch nicht Geschichte, aber es ist in den letzten Jahren doch so löchrig geworden wie ein Emmentaler Käse. Wollen wir es ganz abschaffen oder doch lieber neu lancieren, zum Beispiel unter dem Titel des «fiskalischen Asyls»? Lesen Sie mehr ab S. 6.

Wir bieten nicht nur Beiträge zur Schweizer Geschichte, sondern weiterhin auch Kurzkritiken zu aktueller Schweizer Literatur. Mehr in der XV. Folge ab S. 48.

Der deutsche Unternehmensberater und Bestsellerautor Reinhard K. Sprenger ist von Deutschland in die Schweiz gezogen. «Die staatliche Verwöhnung hat die Selbstwirksamkeits-Überzeugung der Individuen sukzessive zerstört», sagt er im Unternehmergespräch auf S. 42. Ebenfalls ein Freiheitsradikaler ist Werner Kieser, Gründer von «Kieser Training». Er meint auf S. 67: «Freiheit gibt es ganz, oder gar nicht.»

Überhaupt das freie Unternehmertum. Obwohl KMUs in der Schweiz den Hauptteil des Bruttosozialprodukts erwirtschaften und zwei Drittel aller Arbeitsplätze stellen, haben sie politisch kaum Gewicht. Es fehlt eine wirksame Lobby. Marco Walser sagt auf S. 14 selbstkritisch: «Viele Unternehmer denken nur ans Tagesgeschäft und vergessen darob, Einfluss zu nehmen auf die Gestaltung der Rahmenbedingungen.»

Kann man über Gedichte sinnvoll sprechen? Der Literaturwissenschafter Hans Jost Frey gibt darauf eine überraschende und wohlfundierte Antwort auf S. 58.

Wir machen einen weiteren Schritt hin zu mehr Lesern: ab dieser Ausgabe sind wir in grösseren Schweizer Kiosken vertreten. Gute Lektüre!

Die Herausgeber

«MONAT für MONAT
eine sinnvolle Investition.»
Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
über den «Schweizer Monat»