Editorial

Was wird aus Europa? Bei dieser Frage wird auch überzeugten Europäern zunehmend mulmig zumute. Die Europäische Union erscheint vielen als ein Gebilde, dessen Ziele, Zuständigkeiten und Funktionen nur schwer zu durchschauen sind. Das anfänglich erfolgreiche Wirtschafts- und Friedensprojekt stösst auf den offenen Widerstand der Bürger. Wir beleuchten die Problematik ab S. 17 aus europäischer und […]

Was wird aus Europa? Bei dieser Frage wird auch überzeugten Europäern zunehmend mulmig zumute. Die Europäische Union erscheint vielen als ein Gebilde, dessen Ziele, Zuständigkeiten und Funktionen nur schwer zu durchschauen sind. Das anfänglich erfolgreiche Wirtschafts- und Friedensprojekt stösst auf den offenen Widerstand der Bürger. Wir beleuchten die Problematik ab S. 17 aus europäischer und helvetischer Perspektive.

Zur Finanzkrise konnte man in den letzten Wochen alles und dessen Gegenteil lesen. Die Verwirrung ist gross, auch die begriffliche – der «Neoliberalismus» gilt in vielen Medien als das Böse schlechthin. Dabei wissen die Kritiker offensichtlich nicht, dass Neoliberale, im Gegensatz zu Laisser-faire-Liberalen, für einen Staat waren, der klare Rahmenbedingungen für die Märkte definiert. Wer nun vorschnell von Marktversagen spricht, greift zu kurz und weitgehend daneben. Vielmehr tragen alle Beteiligten – die privaten Banken, die Nationalbanken, der Staat, die privaten und institutionellen Anleger – die Verantwortung für die Genese einer Illusion, von der sie zumindest kurzfristig profitierten: der Illusion der risikolosen Spekulation. Den Markt zu verteidigen, ist gegenwärtig kein leichtes Unterfangen. Wir tun es dennoch (S. 6 bis 14).

Pietro Supino ist seit Mai letzten Jahres Verleger der Tamedia AG. Der in Italien gebürtige Nachfolger von Hans Heinrich Coninx ist ein stiller Schaffer, der nicht gerne im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit steht. Nach langer Korrespondenz hat er sich dennoch zu einem Gespräch bereit erklärt (S. 38).

Eine Zeitlang war eine Banknotenserie im Umlauf, auf deren 500-Franken-Schein Albrecht von Haller abgebildet war, einer der letzten Universalgelehrten der Schweiz. Dass er uns auch heute noch, 300 Jahre nach seiner Geburt in Bern, mehr zu bieten hat als ein graphisches Sujet, davon berichten zwei Beiträge ab S. 58.

Vorschläge zur Lektüre (oder auch mal Nichtlektüre) zeitgenössischer Autoren finden Sie in der zwölften Folge der Schweizer Literatur in Kurzkritik (S. 48).

Wie Sie dazu beitragen können, dass wir nicht nur den 90., sondern auch den 100. Geburtstag der «Schweizer Monatshefte» feiern können, lesen Sie auf S. 66.

Die Herausgeber

«Ein Sprudelbad fürs Hirn!»
Monique Bär, Philanthropin und Gründerin der Arcas Foundation,
 über den «Schweizer Monat»