Editorial

Die Universität Zürich feiert ihr 175jähriges Jubiläum. Herzliche Gratulation! Ein Vergleich mit der Zeitschrift, die Sie in den Händen halten, sei an dieser Stelle erlaubt. Die «Schweizer Monatshefte» sind genau halb so alt wie die Universität. Beide Institutionen haben sich immer wieder regeneriert, um ihrer Idee – der Suche nach «Wahrheit» respektive nach «Wahrhaftigkeit» – treu zu bleiben.

Seit der letzten Ausgabe haben die «Schweizer Monatshefte» eine neue Titelseite; der bisherige gelbe Randstreifen hat sich unter den Schriftzug unseres Namens gelegt und präsentiert neu eine stetig steigende Zahl. Wir haben dafür die Hefte aller vergangenen Jahrgänge gezählt: 959 mal ist seit 1921 unsere Zeitschrift erschienen.

Diese stolze Zahl und das Erscheinen unserer Ausgabe «Jenseits von Liberalismus light» im Januar waren Anlass für eine Heft-Vernissage im «sirupspace». Bei Wein und Käse diskutierten Gäste und Autoren – die Ökonomen Benno Luthiger und Pierre Bessard, der Soziologe Peter Gross – über ihr Verständnis einer liberalen Gesellschaft, während die Installation «Schweizer Glück» des Künstlers Andreas Kaiser sich knisternd aufblähte und wieder in sich zusammensank. Die lebhaft geführte Diskussion wurde und wird im Weblog www.paxx.tv weitergeführt. Der Student Matt Jenny schreibt dort: «Es ist anzunehmen, dass eine freie Gesellschaft mit einem befreiten Markt auch viele Menschen emanzipieren bzw. ihnen den nötigen Freiraum zum Ausgang aus der staatlich und kulturell verschuldeten Unmündigkeit geben würde.» Und Peter Gross erwidert: «Vergessen in Ihrer interessanten Argumentation haben Sie, dass es auch über die individuelle Biographie hinweg Unmündigkeiten gibt, die in der Tat natürlich und nicht durch irgendwelche Etats verursacht sind.»

Die Frage nach den Voraussetzungen einer liberalen Gesellschaft beschäftigt uns auch in diesem Heft. Der slowenische Philosoph Slavoj Žižek weist in einem Beitrag auf einen aus seiner Sicht schwachen Punkt des Liberalismus hin (S. 5). In der kommenden Ausgabe werden wir wiederum eine Kritik der Kritik publizieren.

Der Zürcher Germanist Emil Staiger, der auch viele Aufsätze in den «Schweizer Monatsheften» publiziert hat, wäre dieses Jahr 100 Jahre alt geworden. Durch den von ihm ausgelösten «Zürcher Literaturstreit» in den 60er Jahren stürzte er vom Olymp der Germanistik in den Orkus jahrzehntelanger Vergessenheit. Eine Ausstellung und ein Symposium in Zürich versuchen eine lange nicht für möglich gehaltene Wiederannäherung (S. 55).

Die Herausgeber

«Ein Sprudelbad fürs Hirn!»
Monique Bär, Philanthropin und Gründerin der Arcas Foundation,
 über den «Schweizer Monat»