Editorial

Editorial
Bild: Fearless von Gauthier DELECROIX - 郭天, Quelle: https://www.flickr.com/photos/gauthierdelecroix/51997910772/

 

«Wenn die Imperialisten einen Krieg gegen uns vom Zaun brechen, könnten wir über 300 Millionen Menschen verlieren. Na und?»
Mao Zedong

 

Die neusten Videoschnipsel aus China (etwa via twitter.com/songpinganq) wirken geradezu absurd: Menschen in weissen Ganzkörperanzügen testen nicht nur Hühner, Enten und Flusskrebse auf das Coronavirus, sondern auch ein Flusspferd – es wird mit einer halben Wassermelone dafür belohnt, das Maul aufgesperrt zu haben. Erlaubt sich die Kommunistische Partei Chinas hier Propagandascherze? Andere Ausschnitte scheinen sehr real zu sein: Hunde und Katzen werden getötet, Kinder gewaltsam von ihren Eltern getrennt. Menschen seilen sich mit Rettungsleitern aus den Fenstern ihrer Häuser ab, andere stürzen in den Tod. Aufgrund von Hunger, weil ihre Haustüren verschweisst wurden, wie in weiteren Filmchen zu sehen ist? Unter der Führung der KPCh wäre Hunger nichts Neues. Maos «Grosser Sprung nach vorne» führte nach 1960 in die grösste Hungersnot der Menschheitsgeschichte: ­Millionen von Menschen starben, und wer lebte, sah sich gezwungen, Insekten oder Baumrinde zu essen.

Vergessen wir nicht: Anfang 2020 waren es Videos aus China von umkippenden Wachmännern und von leblos auf der Strasse liegenden Menschen, die Angst vor der Gefährlichkeit des Coronavirus verbreiteten. Eine Angst, die auch westliche Regierungen zu allerlei irrsinnigem Aktivismus verleitete. Nach mehr als zwei Jahren ist klar, dass eine langsame Durchseuchung unter Schutz der vulnerablen Gruppen der richtige und liberale Weg gewesen wäre, um dem Virus zu begegnen. Es sollten nun auch noch die letzten einsehen, dass die totalitäre Idee, Menschen durch Polizeigewalt abzuschotten und langfristig zu isolieren, purer Wahnsinn ist. Nur einer scheint das nicht ohne Gesichtsverlust zugeben zu können: Xi Jingping.

Was Propaganda ist und was Realität, ist in einem Umfeld sich rasch wandelnder Informationen immer schwieriger zu beurteilen. Deep-Fakes sind heute bereits möglich, bald wird auch mit ihnen Propagandakrieg geführt werden. Eine zunehmend geschichtsvergessene Internetpopulation wird sich davon in die Irre leiten lassen. Doch war nicht die Pandemie ein anschauliches Beispiel, wie auch Intellektuelle und Journalisten das jeweilige Narrativ geglaubt und verbreitet haben?

Errungenschaften wie Menschenrechte, Freiheit oder Demokratie wurden in der langen Geschichte der Menschheit schon mehrmals blutig erkämpft, als sicher geglaubt, aber auch wieder verloren. Weil eine nachfolgende Generation sie nicht bewahren wollte oder konnte. Für Anhänger westlicher Werte gilt es den Fokus klar auf ihre wichtigen Grundwerte auszurichten. Und ihn auch in einer sich neu ordnenden Welt nicht zu verlieren.

«MONAT für MONAT
eine sinnvolle Investition.»
Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
über den «Schweizer Monat»