Editorial

 

«Jeder Mensch hat das Recht auf persönliche Freiheit, insbesondere auf körperliche und geistige Unversehrtheit und auf Bewegungsfreiheit.»

Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft,
Artikel 10, Absatz 2

 

Es sieht wie ein Staatsstreich aus: Die Parlamentssession wird auf Antrag der Verwaltungsdelegation abgebrochen, ein Abstimmungstermin abgesagt, die Armee mobilisiert, das Land lahmgelegt: Ausser Lebensmittelläden, Apotheken, Tankstellen und einigen staatlichen Diensten muss alles schliessen für mindestens einen Monat. Die Gewaltenteilung ist dahin und der Bundesrat frei, anzuordnen, was auch immer ihm zielführend und verhältnismässig erscheint. Die Kantone haben sich zu fügen, die Bürger, das Gewerbe, alle. Für ein Ziel: die Verlangsamung der Ausbreitung von Covid-19, einem Virus, das Risikopatienten lebensgefährlich werden kann.

Als Journalist mag man erwägen, was eine kluge Problemlösung wäre, die Verantwortlichen aber müssen handeln. Und hierbei spielt die allgemeine Stimmung eine grosse Rolle. Hätte der sozialistische Einparteienstaat China nicht zu massiven Freiheitsbeschränkungen gegriffen und wäre nicht Italien diesen gefolgt, so wäre dieses weltumspannende, kollektive Handeln von Regierungen, wie es jetzt zu beobachten ist, kaum in Gang gekommen. Wer denkbare Alternativen vorschlug wie eine kontrollierte Durchseuchung, wurde hingestellt wie ein Mörder unserer älteren Mitmenschen. Doch zum Leben gehört das Risiko und auch der Tod. Sich selbst, seine Lebensart, sein Wirtschaftssystem, seine Freiheiten aufgeben aus Angst vor dem Tod ist keine gute Option. Jedenfalls nicht für länger.

Erinnern Sie sich an die Schweinegrippe-Impfaktion von 2009? Sie kostete den Schweizer Steuerzahler rund 130 Millionen Franken und war sinnlos (Impfstoffe im Wert von über 50 Mio. mussten vernichtet werden). Gegen die heute in Aussicht gestellten Beträge sind es nur mickrige Summen. «Whatever It Takes», erklingt es heute von überall her, die Rufe der Regierungen gleichen sich denen der Zentralbanken an. Das Problem ist nur, dass ihre Massnahmen wirkungslos oder gar kontraproduktiv bleiben könnten. Womöglich haben sich die freiheitlich-demokratischen Regierungen nicht bis zu Ende überlegt, was es heisst, Menschen, die aufeinandersitzen und sich nicht zu beschäftigen wissen, für länger einzusperren. Man wird mit ihnen nicht so umgehen können, wie das China tut.

Zum Coiffeur, ins Fitnessstudio und in die Beiz kann man nicht mehr. Was folgt? Das Verbot von Bargeld, aus Hygienegründen? Die flächendeckende Überwachung der Bürger per Smartphone, aus Sicherheitsgründen? Die Zerstörung der freien Marktwirtschaft, aus systemischen Gründen? Der Bürger muss wachsam bleiben, sonst gerät er auf lange Frist unter die Knute der von Regierungen ausgeübten Kontrolle.

«Ein Sprudelbad fürs Hirn!»
Monique Bär, Philanthropin und Gründerin der Arcas Foundation,
 über den «Schweizer Monat»