Editorial

Die «liberale Gesellschaft» erlebt derzeit eine Renaissance der Restriktionskultur. Auf allen Ebenen versuchen erregte Öffentlichkeit und Politik, unliebsamen Erscheinungen mit immer neuen Verordnungen, Gesetzen und Verboten beizukommen. Das betrifft nicht nur Burka- und Niqabträgerinnen, Hundehalter, Raucher, Arbeitgeber oder Autofahrer auf Parkplatzsuche in Zürich, es betrifft jede Bürgerin und jeden Bürger – selbst die unbescholtensten. Ein […]

Die «liberale Gesellschaft» erlebt derzeit eine Renaissance der Restriktionskultur. Auf allen Ebenen versuchen erregte Öffentlichkeit und Politik, unliebsamen Erscheinungen mit immer neuen Verordnungen, Gesetzen und Verboten beizukommen. Das betrifft nicht nur Burka- und Niqabträgerinnen, Hundehalter, Raucher, Arbeitgeber oder Autofahrer auf Parkplatzsuche in Zürich, es betrifft jede Bürgerin und jeden Bürger – selbst die unbescholtensten. Ein vergleichsweise harmloses Beispiel: in der Redaktion müssen wir seit diesem Jahr unsere Arbeitszeiten zentral erfassen. Was Arbeitnehmer in Einzelfällen vor Ausbeutung schützen soll, bedeutet für uns und viele andere kleine Firmen: mehr Aufwand, weniger Flexibilität, steigende Kosten.

Diese Entwicklung lässt sich immer beobachten, wenn neue Regelungen nicht alte ersetzen, sondern ergänzen. Damit sie etwas nützen, braucht es schliesslich neue Kontrolleure (und Kontrolleure der Kontrolleure), mehr Übertretungen führen zu mehr Verfahren – und so steigen die Abgaben in Gemeinden, Kantonen, Ländern oder Staatenbünden munter weiter. Sich «konform» der Regeln zu verhalten wird also nicht nur mit jedem neuen Gesetz schwieriger, sondern auch teurer. Die aktuelle Ausgabe widmet sich an verschiedenen Stellen diesem aktuellen Thema.

Trotz neuen Aufwands bleibt der MONAT am Ball: Thomas Hauser steuert kritische Gedanken zur staatlichen Miss- und Mischwirtschaft bei (S. 28), wir besuchen ein Startup mitten in Zürich (S. 32) und bitten einen englischen Lord (obendrein Sozialdemokrat) um Schützenhilfe in Sachen EU-Reform. Das alles tun wir neuerlich ohne unseren langjährigen Mitarbeiter Florian Oegerli, den wir bereits schmerzlich vermissen, ihm aber beim lange angestrebten Masterstudium alles erdenklich Gute wünschen.

Anregende Lektüre!