Drogen gegen die Verblödung

Viele Menschen sind süchtig. Nach Essen, Drogen, Sport, Fern-sehen oder sogar nach dem Internet. Wenn sie ihre Sucht befriedigen, erleben die Betroffenen ein High-Gefühl, das sie für einen Moment von den 50 000 anderen Gedanken (geschätzt von der Stiftung National Science) befreit, die ihnen am Tag durch den Kopf gehen. Ohne Ablenkung, so die Wissenschaft, […]

Viele Menschen sind süchtig. Nach Essen, Drogen, Sport, Fern-sehen oder sogar nach dem Internet. Wenn sie ihre Sucht befriedigen, erleben die Betroffenen ein High-Gefühl, das sie für einen Moment von den 50 000 anderen Gedanken (geschätzt von der Stiftung National Science) befreit, die ihnen am Tag durch den Kopf gehen. Ohne Ablenkung, so die Wissenschaft, könne ein Mensch nicht leben. Mehr noch: sie sei ebenso wichtig wie andere menschliche Bedürfnisse (etwa Sicherheit oder Liebe). Wer lenkt sich aber wie ab?

Der grösste Teil unserer Mitmenschen schaut zum Stressausgleich regelmässig dämliche Fernsehshows, liest Klatschmagazine, isst bei McDonald’s, betrinkt sich auf Clubpartys, nimmt nicht selten allerlei Drogen – sie nutzen die hohe Verfügbarkeit einfach erhältlicher, schädlicher Ablenkungsangebote, um sich in einen scheinmeditativen Genusszustand zu versetzen, während sie langfristige Probleme vertagen oder negieren.

Die zweite Gruppe schiebt Sachen auch gerne vor sich hin, ist ebenfalls süchtig, aber eher nach physischer und psychischer
Fitness. Mitglieder dieser Gruppe stehen gerne frühmorgens auf und trainieren beinhart auf ein Ziel hin, sei es für einen sportlichen Wettkampf oder für die Verfeinerung beruflicher Fähigkeiten. Sie schrecken nicht vor Schmerz zurück, weil dieser sie «noch stärker» macht. Erst nach dem Duschen oder dem nächsten Coaching fühlen sie sich dann wieder leer.

Meine bevorzugte Gruppe ist aber die dritte – sie zählt auch am wenigsten Mitglieder. Sie hat gelernt, ihre positiven Gedanken den negativen vorzuziehen, und weiss schon, dass Billigablenkungen nichts taugen. Sie schafft es, ihren Geist durch Meditation (viele) oder einfach durch Nüchternheit zu entspannen. Dies ist meine letzte reguläre Kolumne im «Monat». Ich möchte mich mit einer kleinen Empfehlung verabschieden. Ich glaube, Sie können sich jederzeit bei verschiedenen Ablenkungstechniken bedienen, aber: Versuchen Sie es auch mal nur mit der letzten. Sie werden es nicht bereuen.

«MONAT für MONAT
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Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
über den «Schweizer Monat»