Dramolett längs sozialer Phobie

«Die Angst ist mein ständiger Begleiter», sagt Felix am Anfang und stellt am Ende fest: «Bis jetzt kenne ich ja nur Angst und die Angst vor der Angst.» Auf den 160 Seiten dazwischen entwickelt der praktizierende Psychoanalytiker und Autor Jürg Acklin die Fallstudie einer pathologischen Störung. Besagter Felix, ein verhätschelter, unselbständiger, an den Rollstuhl gefesselter Endvierziger steigert sich in den Wahn, sein Bruder als engste Bezugsperson liebe ihn nicht mehr und versuche sogar, ihn loszuwerden. Angst umklammert sein Denken, Angst vor der eigenen Hilflosigkeit packt ihn, Angst vor Veränderungen, Angst vor Verlust, bis schliesslich nackte Todesangst sein Handeln bestimmt. Der Lehrbuchtext geht allerdings distanzierter an das Thema heran, als diese Zeilen denken liessen; er zählt detailliert die Impulse und Symptome auf, erklärt Schritt für Schritt die Vorgeschichte und endet weit vor der angedeuteten Eskalation.

Damit diese Analyse nicht zum Schattendasein in wissenschaftlichen Zeitschriften verdammt ist, hat sich der Zürcher Acklin die typografisch abgesetzte Geschichte eines Vaters ausgedacht, der sein Kind aus den Armen der durchgeknallten Mutter befreit, die in den inneren Zirkel einer religiösen Sekte gerutscht ist. Dieses arg schlichte Dramolett wird neben die arg schlaue psychologische Untersuchung einer sozialen Phobie gestellt, mit der Absicht, zwei parallele Handlungsstränge zu bilden. Eine Eigenart der Parallelen aber ist bekanntlich: sie überschneiden sich erst im Unendlichen. «Vertrauen ist gut» wiederum hat – wie oben erwähnt – nur endliche 160 Seiten, und so redlich Acklin sich auch müht, in diesem Buch kann er nicht zusammenführen, was nicht zusammengehört.

vorgestellt von Michael Harde, Schalkenbach

Jürg Acklin: «Vertrauen ist gut». Zürich: Nagel & Kimche, 2009

«Ein Sprudelbad fürs Hirn!»
Monique Bär, Philanthropin und Gründerin der Arcas Foundation,
 über den «Schweizer Monat»