Dimitri im Gespräch

Dimitri gilt nicht nur als einer der grossen Clowns. Er hat auch ein eigenes Theater, eine eigene Truppe, eine eigene Schule und ein eigenes Komik-Museum gegründet. Und er hat noch viel vor. Suzann-Viola Renninger hat ihn, an einem Nachmittag vor einer Aufführung, in Basel getroffen.

Wie darf ich Sie eigentlich anreden?

Dimitri!

Ihr Vorname…

…inzwischen auch mein Nachname und der meiner Familie.

Also Herr Dimitri Dimitri?

Ja, so könnte man sagen.

Clown Dimitri?

Auch gut. Besser.

Unternehmer Dimitri?

O, das lieber nicht. Das Wort gefällt mir nicht.

 

Warum denn nicht? Sind Sie nicht auch Unternehmer? Sie haben in Verscio im Tessin das Teatro Dimitri gegründet, dann die Scuola Teatro Dimitri, dann die Compagnia Teatro Dimitri, dann das Museo Comico. Und inzwischen hat sich Ihre Schule zu einer renommierten Fachhochschule für Bewegungstheater entwickelt, die die Studenten mit einem Bachelor oder Master abschliessen können. Ich denke, für all das braucht man eine gute Portion Unternehmergeist.

Nein, ich würde mich niemals Unternehmer nennen.

Dann müssen wir wohl die Gesprächsreihe, in deren Rahmen wir uns treffen, für diesmal von «Unternehmergespräche» in «Unternehmer- & Clowngespräch» umbenennen.

Gut, aber Sie müssen auch schreiben, warum ich das Wort nicht mag.

Mach ich, wenn Sie es mir sagen.

Man muss da unterscheiden. Ich habe all das gegründet, wie man etwas kreiert. Also eher im künstlerischen als im geschäftlichen Sinn. Es hat mit meinem eigenen Theater begonnen, dann kam die Schule, all das war ein künstlerischer Prozess. Das Organisatorische, das Finanzielle, das Administrative, das war nie mein Problem. Ich hatte immer Menschen, die mir das abgenommen haben.

Jemand, der delegieren kann, besitzt immerhin schon eine wichtige Eigenschaft des Unternehmers.

Haha. Ja. Klar. Aber trotzdem würde ich mich eher als Schöpfer bezeichnen. Ich sehe mich in der Rolle des Impulsgebenden, eines kreativen Menschen, der zwanzig Ideen hat und drei davon realisiert. Ich entwickle ständig neue Sachen. Ich bin eher wie ein Autor, der Stücke schreibt. Und dann wird irgendwann eines uraufgeführt. Wenn er Glück hat.

Glück?

Ja, das braucht es. Ich bin ein Glückspilz. Vielleicht sind mir auch nur Ideen gekommen, die andere noch nicht hatten. Schon mein Beruf ist eine Seltenheit. Gute Clowns können Sie auf der ganzen Welt an zwei Händen abzählen. Das ist schon interessant. Da gibt es Zehntausende von guten Pianisten, Geigern, Schauspielern… aber Clowns? Die sind schon etwas Besonderes. Daher vielleicht auch meine ganzen extravaganten Ideen.

Warum gibt es denn nur so wenige Clowns?

Ich frage mich das oft. In unserer Schule hat etwa einer von zwanzig ein clowneskes Talent, das wir dann auch fördern. Und dennoch ergreift so ein Student ganz selten den Beruf des Clowns. Warum? Ich glaube, es ist für viele zu anstrengend, man muss sich zu sehr engagieren, sich Tag und Nacht mit dem Beruf auseinandersetzen, sich ganz reingeben. Hinzu kommt, dass der Clownberuf nicht ernstgenommen wird. Alle wollen sie Theater machen, ernsthafte Sachen spielen. Theater gilt als etwas Höheres, als anspruchsvoller, als intellektueller als die Darbietungen eines Clowns.

Wenn nur so wenige Ihrer Studenten später den Beruf des Clowns ergreifen, warum ist ein Studienplatz bei Ihnen so begehrt?

Unsere Schule ist ja keine Clownschule. Sie ist eine Hochschule für Bewegungstheater, für Pantomime, Tanz, Rhythmus, Akrobatik, Jonglieren, Improvisation, Maskenspiel, all diese nichtverbalen Theaterformen. Im klassischen Theater ist neunzig Prozent der Ausbildung Sprechen und nur zehn Prozent Bewegung. Bei uns ist das umgekehrt. Das fasziniert die Studenten.

Ihre Schule befindet sich in Verscio, einem kleinem Dorf im Centovalli. Dort haben Sie auch Ihr eigenes Theater gegründet.

Das war 1971. Und 1975 kam dann die Scuola hinzu.

Warum haben Sie diesen relativ abgelegenen Ort mit kaum mehr als 1’000 Einwohnern gewählt? Warum sind Sie nicht etwa nach Paris gegangen, um Nachfolger von Marcel Marceau zu werden und sein Theater zu übernehmen?

Haha. Das wäre nicht einmal unmöglich gewesen. Er hat ja einen Nachfolger gesucht. Marceau war ein grosser Meister für mich, später wurden wir gute Freunde.…

«Ein Sprudelbad fürs Hirn!»
Monique Bär, Philanthropin und Gründerin der Arcas Foundation,
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