Digital und sozial

Im Zeichen der Digitalisierung vermischen sich physische und virtuelle Welten, ganze Geschäftsmodelle werden komplett umgekrempelt. Von diesen Umwälzungen bleibt auch die Finanzbranche nicht verschont, im Gegenteil: Die Veränderungen schlagen mit voller Wucht ein. Doch weder Politiker noch Standortförderer haben das Thema auf dem Radar. Die Schweiz befindet sich hinsichtlich neuer Technologien im Finanzbereich (FinTech) noch […]

Im Zeichen der Digitalisierung vermischen sich physische und virtuelle Welten, ganze Geschäftsmodelle werden komplett umgekrempelt. Von diesen Umwälzungen bleibt auch die Finanzbranche nicht verschont, im Gegenteil: Die Veränderungen schlagen mit voller Wucht ein. Doch weder Politiker noch Standortförderer haben das Thema auf dem Radar.

Die Schweiz befindet sich hinsichtlich neuer Technologien im Finanzbereich (FinTech) noch im Niemandsland, während andere Finanzplätze – unsere Konkurrenten notabene – vorwärtsmachen. London beispielsweise, die weltweite Nummer zwei nach New York, hat die Zeichen der Zeit erkannt. So ist mit dem «Level 39» der grösste FinTech-Accelerator Europas in der «City» angesiedelt, finanziert wird er von privater Hand. Was England seinen Konkurrenten aber vor allem voraus hat, ist die tatkräftige Unterstützung der Regierung.

Im August 2014 erklärte Englands Schatzminister George Osborne vor Bankern, Investoren und FinTech-Unternehmern das Ziel der Regierung Cameron: England soll im Bereich der Finanzdigitalisierung global die führende Position einnehmen. Die Regierung unterstützt die Zukunft des Finanzplatzes aber nicht nur mit 100 Millionen Pfund, sondern greift den Unternehmen aktiv unter die Arme. So bietet beispielsweise die Regulierungsbehörde Financial Services Authority kostenlose regulatorische Beratungen für FinTech-Unternehmen an.

In der Schweiz sucht man derartige Initiativen vergebens. Zwar wird Banking auch hierzulande digital, doch bislang fehlt es an Innovationen. Diese würden nicht nur der Finanzbranche zu mehr Prosperität verhelfen, sondern der gesamten Volkswirtschaft. Ein Aufstieg in die digitale Weltelite dürfte nur gelingen, wenn der hiesige Finanzplatz eine gesamtheitliche Vision und Strategie verfolgt. Die grösste Chance bietet sich in der Vermögensverwaltung, wo die Schweiz global noch immer führend ist. Doch auch in diesem Bereich zeichnen sich Veränderungen ab: Neue Technologien erlauben komplett neue Kunde-Berater-Beziehungen und erhöhen die Macht des Kunden. Gerade vermögende Kunden sind oft sehr technologie-affin und können dank einfacher Tools einen Grossteil ihrer Vermögensverwaltung selber in die Hand nehmen.

Eintreten werden diese Veränderungen so oder so. Die Frage ist nur, welche Rolle Schweizer Unternehmen dabei spielen werden. Noch sind die Chancen, die Reputation als traditionsreicher, stabiler und innovativer Finanzplatz auch künftig in alle Kontinente zu tragen, intakt. Das gilt auch für die entsprechenden Technologien, die im Erfolgsfall ein grosses Exportpotential aufweisen und dafür sorgen würden, dass die Schweiz die (digitale) Zukunft mitbestimmen kann.