(0) Dienstleistung Kunst

«Was, der Kerl schreibt für Geld?». Mit diesem entsetzten Ruf soll Beethoven einen Roman seines Zeitgenossen Walter Scott in die Ecke geschleudert haben. Es scheint für die Schriftstellerei ebenso wie für die Musik oder die Malerei zu gelten: Geld verdunkelt das Strahlen der Kunst. Wird mit dieser doch gerne die Hoffnung verbunden, sie könne – in einer ansonsten verdorbenen Welt – den verbliebenen Hort des Wahren, Guten, Schönen vor der Käuflichkeit schützen. Durch Geld, so kann der Aufschrei Beethovens gedeutet werden, wird die Festung der Kunst geschleift. Geld, so der Verdacht, nimmt der Kunst ihre Autonomie, macht sie zur Ware und drückt sie hinunter auf die Ebene des schnöden Konsums.

Frei, gedeutet als welt- und marktfern, war Kunst jedoch nie. Sie war schon immer eingebunden in die Bedürfnisse der Gesellschaft und den Kreislauf des Tauschs. Sie war abhängig vom Wohlwollen der Priester, von der Gunst der Fürsten, der Grosszügigkeit der Mäzene und von der Förderung durch den Markt. Der laute Ruf nach Autonomie der Kunst ist eine Erfindung der Moderne.

Mit der Kunst Geld verdienen, das ist für die Existenz der Künstler und damit auch der Kunst entscheidend. «…unser einer bedarf immer Geld», das schrieb auch Beethoven an einen Banker und klagte «alle Noten, die ich mache, bringen mich nicht aus den Nöthen!!». Doch geht es um die Kunst, mit Kunst Geld zu verdienen, wird also die Kunst als Investitionsobjekt der Kultur entrissen und in den Kreisel des Marktes gezogen, dann ist ein Fragezeichen angebracht.

Die Vereinnahmung der Kunst kennt viele Facetten. Den Wechsel politischer Regime begleitet oft ein Wechsel der Hymnen, die gesungen werden, und der Gemälde, die die öffentlichen Gebäude schmücken sollen. Designermusik aus Versatzstücken klassischer Musik säuselt zum Anreiz des Konsums aus den Lautsprechern von Kaufhäusern und Restaurants. In Inseraten werden Motive aus dem Erbe der Kunst zu Markenzeichen von kommerziellen Produkten.

Beethoven ist überall mit dabei. Wechselvoll ist etwa die Geschichte der Ode an die Freude. Hitler wusste sie für seine Demagogie zu nutzen, heute wird sie als Europahymne gesungen. Und welches Zeichen galt bis Ende letzten Jahres europaweit als Garantie für reibungslose Dienstleistung im bargeldlosen Zahlungsverkehr? Das Hologramm von Beethovens Konterfei, geprägt auf die ec-Karten, die jeder von uns in der Tasche trägt.

«Ein Sprudelbad fürs Hirn!»
Monique Bär, Philanthropin und Gründerin der Arcas Foundation,
 über den «Schweizer Monat»