Die Welt ist rund und daher auch ein Kreis

Die Welt ist rund und daher auch ein Kreis

«Weltanschauung – Welt anschauen – das lässt sich nicht in einem Satz beschreiben», so ein Student während des Kurses. Aber vielleicht in einem Bild?

Ohne eine Zeichensprache funktioniert das nicht. Bevor die Welt erschaffen wird, müssen erst Zeichen gefunden werden. Daher stand zu Beginn die Aufgabe «Erschaffung der Zeichen» auf dem Plan eines Kurses der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich (HGKZ), an dem in diesem Sommer rund 20 Studenten teilgenommen hatten. Mit Pinsel, Bleistift, Tuschfeder und Klebband sollten spontan und spielerisch Spuren gesetzt werden: rund oder eckig, mit scharfen Kanten oder ausfransend, geometrisch oder freispielend. Daraus entwickelten sich die Zeichen: Kreis, Klecks, Polyeder, Krakel, Welle, Ellipse, Strich und Fleck.

Zeichen können miteinander kombiniert werden. Doch wenn dies regellos und willkürlich geschieht, dann ergibt sich daraus kein Sinn. Daher schloss sich an die Zeichenfindung die Suche nach syntaktischen Anordnungsprinzipien an. Wie müssen Zeichen miteinander kombiniert werden, um verschiedene Wirkungen zu erzielen, wie Rhythmus, Reihe, Serie, Raster, Überlagerung, Chaos? Die Antwort auf diese Frage war eine Syntax.

Zeichen und Syntax sind die Elemente einer Sprache. Um mit ihr zu kommunizieren, muss jedoch noch die Ebene der Bedeutung gefunden werden. Wie wird aus einem Kreis ein Kopf, wie aus dem Rhythmus von Strichen ein Zaun, aus der Überlagerung von Klecks, Polyeder, Krakel, Welle, Ellipse und Fleck ein Karussell? Bedeutung entsteht im Kopf, sie entsteht, wenn die zunächst abstrakten Zeichen mit einem uns bekannten Objekt sichtbare Gemeinsamkeiten aufweisen. Ist ein Objekt als etwas erkannt, dann hat das Einfluss auf die Objekte in seiner Umgebung. Es findet eine Kontextualisierung statt. Ausgehend von einem Kristallisationspunkt – dem Objekt, das als Kopf, Zaun oder Karussell erkannt wird – erschliessen sich weitere Bedeutungen, erschliesst sich die Welt.

Nun ist die Zeichensprache gefunden, um das Thema «Weltanschauungen» zu visualisieren. Die Welt ist rund und daher auch ein Kreis.

Mihaly Varga betreut Gestaltung und Layout der «Schweizer Monatshefte». Er ist Dozent an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich (HGKZ). Die Bilder in der vorliegenden Ausgabe der Schweizer Monatshefte sind Arbeiten der Studentinnen und Studenten seines Kurses «Syntaktische Übungen».

«Ich habe erfahren, dass ein komplexes Thema, wie dieses, nie ganzheitlich eingefangen werden kann. Mit wenigen Formen und Zeichen jedoch, mit deren Anordnung und Zusammenspiel, kann man starke Aussagen evozieren und verschiedene Gedanken auslösen.»

«Mich visuell auszudrücken, ohne konventionelle Symbole und Klischees einzusetzen, war für mich die grösste Schwierigkeit.»

«Das Thema war dazu geeignet, sich mit ihm mit zeichnerischen Mitteln meditativ zu beschäftigen.»

«Um ‹Weltanschauung› zu visualisieren, bediente ich mich geläufiger visueller Formen und verfremdete sie, da für mich die Darstellung der Komplexität nur anhand dieser Formensprache möglich wurde.»

«Die Einschränkungen unterstützten meinen Kreativität und haben die Aussagekraft gesteigert, da nun nur die Essenz transportiert wird.»

«Mir ist bewusst geworden, wie rasch die Qualitäten einer visuellen Aufbereitung diejenigen einer sprachlichen Aussage überholen».

«Ich seh’ nur noch Punkte.»

Abbildungen der Arbeiten finden sich auf den Seiten 7 (Alexander Weis) 12 (Christina Zehnder), 34/35 (Dominik Huber), 41 (Céline Beyeler), 51 (Catharina Looser), 65 (Adrian Glatthorn), auf der Postkarte (Noëmi Wüthrich) sowie dem Umschlag (Sabina Glesti).

«Der Entkalker fürs Hirn:
Nicht links, nicht rechts –
einfach intelligent!»
Dominik Imseng,
Managing Partner bei smartcut consulting,
über den «Schweizer Monat»