Moderne Architekten werden mit satirischen Posts kritisiert. Quelle: Architects against Humanity

Die Verbrechen moderner Baukunst

Die Liebe für das Schöne in der Architektur sei weit verbreitet – ausser bei den meisten Architekten der letzten 100 Jahre. Das ist die Position von Architects against Humanity. Auf Twitter verurteilt das Kollektiv die moderne Architektur scharf.

 

Auf dem Twitterkonto «@arch_crimes» werden seit August 2021 die hässlichsten Gebäude moderner Architektur gepostet und satirisch kommentiert. Wer für diese architektonischen Verbrechen der Gegenwart verantwortlich ist, ist egal: Keiner bleibt von der Kritik verschont. Zum Musée des Confluences in Lyon schreiben die Kritiker: «schachmatt». Das Gebäude, das mit mehr als dem Vierfachen der geplanten 60 Millionen Euro Baukosten fertiggestellt wurde, sei ein Siegeszug für die Hässlichkeit. Im Fall eines pyramidenförmigen Tierversuchslabors in Berlin heisst es: «Keine Satire». Wenn die ästhetische Untat unbeschreiblich ist, dann steht, ernüchternd, nur der Ort des Verbrechens.

Das Grandiose an dem Twitterkonto ist jedoch die Ehrlichkeit des Aufschreis: «Warum ist Gegenwartsarchitektur eigentlich so hässlich?» steht in einem der Tweets. In den abwechslungsreichen Posts wird auf die Widersprüchlichkeit zeitgenössischer Bauten aufmerksam gemacht. Traditionelle Architektur strebe nach Zusammenhang und Einheit und produziere dabei Vielfalt und Schönheit. Mit dem heutigen, von Vielfältigkeit geprägten Zeitgeist sei dies zu vereinbaren, schreiben die Twitterer. Paradoxerweise strebe moderne Architektur zwar nach Individualität, produziere aber nur Monotonie. Und diese sei zudem oft grotesk und schlicht abstossend. Zu dieser These wird der anonym verwaltete Twitterkanal täglich mit neuem Material aktualisiert.

Eine zentrale Kritik des Kollektivs ist, dass die Baukunst der modernen Architekten eher ein Ausdruck des Wettlaufs nach Status sei als ein Streben nach Schönheit. Dabei gehe vergessen, dass Menschen im Alltag mit den scheusslichen Bauten leben müssten. An Kritikpunkten fehlt es Architects against Humanity also nicht. (lvr)


Es lohnt sich, einen Blick in die Schanzen eines Kriegs um Ästhetik zu werfen: https://twitter.com/arch_crimes

«Abwechslungsreich,
neugierig und unberechenbar.»
Oliver Zimmer, Historiker,
über den «Schweizer Monat»