Die Suche nach dem heiligen Gral

Es gibt keinen biologischen Grund, warum dem Menschen nicht ewiges Leben möglich sein sollte. Neue Therapien könnten die Alterung nicht nur verlangsamen, sondern sogar umkehren, indem sie altersbedingte Zellschäden beseitigen.

 

Während Tausenden von Jahren lag die menschliche Lebenserwartung bei 40 oder sogar noch weniger Jahren. Dieser Durchschnitt wurde durch die Säuglings-, Kinder- und Müttersterblichkeit stark nach unten gedrückt; Menschen beliebigen Alters starben an Infektionen, Beutezügen, Kriegen oder Hunger. Erst als wir diese Ursachen für Tod und Gebrechen im Laufe des späten 19. und 20. Jahrhunderts zunehmend zu eliminieren lernten, begannen immer mehr Menschen lange genug zu leben, um das zu erfahren, was einst eine Seltenheit war: die Krankheit und Gebrechen des degenerativen Alterungsprozesses.

Heute ist das Alter die häufigste Ursache für Krankheit und Tod. Die typischen Alterskrankheiten: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und neurodegenerative Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson. Wie wir einst die menschliche Gesundheit und das Wohlbefinden mit Hygiene, Impfung und Antibiotika revolutioniert haben, so ist heute eine neue technologische Revolution nötig, um das degenerative Altern zu überwinden.

Eingriffe in den Stoffwechsel

Schon Anfang des 20. Jahrhunderts zeigten Wissenschafter, dass wir über die Kalorienrestriktion (KR) in den biologischen Alterungsprozess eingreifen können: Laborratten erhielten wesentlich weniger Kalorien als für eine normale Stoffwechselfunktion notwendig, aber genug essenzielle Nährstoffe, um Unterernährung zu vermeiden. Die Auswirkungen waren dramatisch: Fast jeder Aspekt altersbedingter Krankheit wurde verlangsamt oder verzögert, und nachdem sie länger gelebt hatten als jede Maus oder Ratte jemals zuvor, hinterliessen sie Körper, die noch immer wie die von viel jüngeren Tieren aussahen.

Nach diesem ersten Durchbruch trat das Forschungsfeld für die nächsten fünfzig Jahre weitgehend auf der Stelle. Die erste wirklich neue Methode, das Altern bei einem Tier zu verlangsamen, kam Ende der 80er Jahre, als Tom Johnson und David Friedman entdeckten, dass eine Mutation in nur einem einzigen Gen die Lebensdauer des winzigen Wurms C. elegans erheblich verlängern kann. Innert der nächsten fünf Jahre hatte die Wissenschafterin Cynthia Kenyon eine weitere Mutation entdeckt, die Teil desselben Signalpfades in C. elegans ist und noch dramatischere Auswirkungen hatte. Später fand man heraus, dass wachstumsregulierende Mutationen in verwandten Pfaden das Altern ähnlich dramatisch verlangsamen und dass die Unterdrückung desselben Pfades wahrscheinlich teilweise für den Nutzen von KR…

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