Wir brauchen Ihre Unterstützung — Jetzt Mitglied werden! Weitere Infos

Die Schweiz rückt näher ans Mittelmeer

Die Mediterranisierung des Lebens schreitet voran – mit verschiedenen Vor- und Nachteilen.

Die Schweiz rückt näher ans Mittelmeer
Bild: Daniel Jung.

Mit dem warmen Wetter kehrt das Leben in der Schweiz nun wieder verstärkt ins Freie zurück: Mittagessen «al fresco», kleine Open Airs, Turnübungen im Park, Kinoabende unter freiem Himmel, Food-Festivals, Grillieren am See und Boggia auf öffentlichen Plätzen.

Die Tendenz, mehr Zeit im Freien zu verbringen, wird auch Mediterranisierung genannt. So hatte etwa die Zahl der Aussenbestuhlungen vor Restaurants in den Schweizer Städten bereits in den letzten 20 Jahren deutlich zugenommen. Dass in nächster Zeit wegen der Pandemie der Aufenthalt im Freien noch beliebter wird, ist absehbar. Zudem wurden die Vorgaben für Aussengastronomie für diesen Sommer gelockert. Gut so!

Jedoch findet derzeit in der Schweiz noch auf einer weiteren Ebene eine Mediterranisierung statt – und zwar eine negative. In Italien ist es schon lange üblich, bei Baustellen auf Verkehrsachsen etwa die Geschwindigkeit auf bis zu 5 km/h zu begrenzen – damit die Autofahrer dann wirklich auf 40 km/h herunterbremsen. Solch unnötig strenge Regulierungen tragen bei unseren südlichen Nachbarn auch dazu bei, dass ein grosser Teil der Wirtschaft im informellen Sektor stattfindet – wo dann gar keine Abgaben gezahlt werden.

Und unnötige staatliche Einschränkungen, an welche sich die Leute gar nicht mehr halten, nehmen nun auch in der Schweiz zu – und das nicht nur im Zusammenhang mit der Coronakrise. Ein aktuelles Beispiel ist die unnötige Sperrung des Fusswegs entlang der Limmat in der Stadt Zürich, auf Höhe des Höngger Wehrs. Dieser war kürzlich am Wochenende zwar abgesperrt, wurde aber trotzdem von zahlreichen Fussgängern und Velofahrern genutzt. Die unnötigen Gitter wurden einfach geöffnet. Probleme gab es keine. Doch warum blieben Gitter und Verbotsschilder überhaupt stehen?

Die Behörden in der Schweiz müssen aufpassen, die Kooperation und das Vertrauen der Bevölkerung nicht durch unnötige Einschränkungen weiter zu erodieren. (dj)

»
Abonnieren Sie unsere
kostenlosen Newsletter!