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Karl Reichmuth, zvg.

Die Schuldenwirtschaft nimmt ein Ende – aber welches? Es gibt vier Wege, und keiner ist schmerzlos

Die hohe Staatsverschuldung hat ihre Wurzeln in der Abschaffung des Goldstandards 1971. Um aus dem Sumpf herauszukommen, stehen vier Wege offen.

Die Frage, wie es zur hohen Verschuldung westlicher Nationalstaaten gekommen ist, beschäftigt mich seit den 1970er-Jahren, also seit der letzten grossen Inflationsperiode. 1981 schrieb ich mein erstes Buch «Indexierung des Geldes», in dem ich versuchte, den mittelständischen Anleger über die Gefahren der Inflation aufzuklären und aufzuzeigen, wie man sich davor schützen kann. In den darauffolgenden Jahren brachten die Luzerner und die Berner Kantonalbank als erste Banken in der Schweiz Indexanleihen auf den Markt. Diese Anleihen, die an den Konsumentenpreisindex gebunden waren und eine Laufzeit von zehn Jahren hatten, boten eine Verzinsung von 0,5 Prozent über dem Konsumentenpreisindex und waren sowohl für Schuldner wie auch für Gläubiger von Vorteil.

1971 kündigte der damalige US-Präsident Richard Nixon das Versprechen, gegen 35 Dollars eine Unze Gold auszuliefern. Diese Verankerung in einem real gehandelten Substanzwert hatte dem Papiergeld einen Halt gegeben. Wenige Jahre später zerfiel das Fixkurssystem Bretton Woods. So leben wir seit 1971 in einem ungedeckten Papiergeldsystem (auch Fiatgeld genannt, also aus dem Nichts kommend).

Interventionen via Leitzins und Devisenmarkt

Als Sieger der beiden Weltkriege und als grösste Volkswirtschaft der Welt blieben die USA der Hegemon im Westen und der US-Dollar die weltweit angewendete Referenz im Rohstoffhandel. Grossbritannien wurde endgültig als westliche Führungsmacht abgelöst. Dieser Umbruch brachte im Geldsystem auch eine veränderte Mentalität aller Notenbanken mit sich. Die «Borge heute und zahle morgen»-Vorliebe konsumwütiger US-Amerikaner wurde zum Courant normal. Das Schuldenmachen im grossen Stil nahm seinen Anfang und führte zu einer in Friedenszeiten noch nie dagewesenen Überschuldung.

«Leben wir seit 1971 in einem ungedeckten Papiergeldsystem (auch Fiatgeld genannt, also aus dem Nichts kommend).»

Im Papiergeldsystem haben die Notenbanken ein primäres Mandat, nämlich für die Werterhaltung der Landeswährung zu sorgen. Ihre wichtigsten Werkzeuge sind dabei der sogenannte Leitzins und ihre Macht, den Aussenwert der eigenen Währung über den offenen Devisenmarkt zu beeinflussen. Der Leitzins vermag die Konjunktur anzukurbeln oder zu bremsen. Dieses Mittel wurde seit der globalen Finanzkrise 2008 im Nachgang der US-amerikanischen Hypothekarkrise übermässig eingesetzt. Schliesslich hat die US-Notenbank in Ergänzung zum Werterhaltungsmandat auch die Aufgabe, für Vollbeschäftigung zu sorgen; die Politiker der freien Welt haben diese amerikanische Vorgabe noch so gerne nachgeahmt.

Ein Umbruch liegt in der Luft

Wie geht es nun weiter? Wie jede Prognose ist auch meine spekulativ und von Dritten beeinflusst. Thomas Mayer, der langjährige Leiter des deutschen Thinktanks Flossbach von Storch, fasste das westliche Finanzgebaren so zusammen: «Der Versorgungsstaat ist am Ende. Eine Zeit des Umbruchs liegt in der Luft.» Ich wage hier mit meinen 70 Jahren Bankerfahrung als reiner Praktiker, in denen ich viele Ups and Downs in der Finanzindustrie erlebt habe, eine Einschätzung über mögliche Auswege aus dem Dilemma

A. Weiterwursteln wie bisher. Der Wert der Fiatwährungen wird durch die Inflation weiter entwertet. Notenbanken sprechen gerne von «Stabilität», wenn die Jahresinflation im Durchschnitt einiger Jahre 2 Prozent beträgt. So aber schmilzt die Kaufkraft innert 36 Jahren um die Hälfte dahin. Sind Sie damit zufrieden?

B. Man ringt bewusst um Entscheide wie Schuldenmoratorien oder gar Währungsreformen, denn jeder nominellen Schuld steht bekanntlich ein nominelles Guthaben gegenüber. So geschehen im 16. Jahrhundert durch die Kirchenreformation oder Ende des 18. Jahrhunderts durch die Französische Revolution. Beide Male waren auch Überschuldungen, kombiniert mit geopolitischen Auseinandersetzungen, die Ursachen obrigkeitlicher Entscheide. Aufständische Kräfte brachten jeweils den Umsturz. Geld ist eben etwas Persönliches. Es betrifft uns alle.

C. Diesmal ist der Weg einer Evolution statt Revolution möglich. Dies führt allerdings zu einer Reform im Sinne von dezentralisierter statt zentralisierter Macht bei den Notenbanken. Die Digitalisierung der Wirtschaft, im Besonderen durch die Blockchain-Technologie, ermöglicht die Handelbarkeit jedes einzelnen Werts, und das ohne eine dazwischengeschaltete zentralisierte Macht.

D. Die einfachste Art zur Reduktion der langfristig untragbaren Überschuldung wäre eine Rückzahlung ausstehender Verpflichtungen. Doch dies ist in führenden westlichen Staaten kaum noch möglich, wie etwa die gescheiterten Experimente der Premierministerin Liz Truss in England gezeigt haben. Frankreich und Deutschland bringen ihre für 2026 geplanten Budgetdefizite kaum mehr ins Lot. Und die USA mit Trump an der Spitze werden noch erfahren, was die Überbeanspruchung eines freien Marktes durch Neuverschuldungen zu hohen Zinsen verursacht und wie das Länder mit hoher Schuldenlast in Not bringt.

Für eine mit realen Werten gedeckte Digitalwährung – ein Prozess, der bereits in vollem Gange ist – wäre der Weg C gut geeignet. Seit seiner Einführung 2009 hat Bitcoin eindrucksvoll bewiesen, dass neue Technologien die Geldfunktion «Zahlungsverkehr» schneller und kostengünstiger abwickeln können. Für die Geldfunktion «Wertaufbewahrung» gibt es inzwischen gut gedeckte Angebote. Da muss sich allerdings der Weizen noch von der Spreu trennen. Bezüglich der dritten Geldfunktion «allgemeiner Wertmassstab» ist eine mit realen Werten gedeckte Kryptoparallelwährung zur Landeswährung jedenfalls ehrlicher als die von nationaler Politik indirekt geleitete Landeswährung in der heutigen Geldordnung.

Wie diese Aufstellung zum Ausdruck bringt, erweitern private Geldemittenten das Geldangebot. Für kleine bis mittelgrosse Sparvolumen ist insbesondere die Stabilität, d.h. möglichst tiefe Schwankungen gegenüber der Landeswährung, von Bedeutung.

Geld wird in verschiedenen Ländern noch lange seine Rolle als Wertmassstab beibehalten, während der Zahlungsverkehr über Kryptowährungen sowohl von Banken und Technologiefirmen vielfältig angeboten werden wird. Die Korrektur der seit 1971 eingeläuteten Schuldenmacherei zu Lasten der nächsten Generation ist also bereits im Gange. Der Ökonom Friedrich August von Hayek hat bereits in seinem 1976 veröffentlichten Werk die «Entnationalisierung des Geldes» als bestes Mittel zur Disziplinierung der Zentralbanken propagiert. Nun sind wir definitiv auf diesem Weg.

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