«Die Lektion lautet: Du weisst nichts»

Was passiert, wenn die Bürger realisieren, dass sie nicht erhalten, was ihnen versprochen wurde? Es gibt einen Schock, der heilsam sein kann – oder auch nicht. Bill Bonner plädiert für mehr ökonomischen Realismus. Und für eine Rückkehr zum Goldstandard.

«Die Lektion lautet: Du weisst nichts»

Herr Bonner, was läuft zurzeit falsch auf den Finanzmärkten?

Die einfache Antwort darauf ist: alles läuft immer falsch auf den Finanzmärkten. Die Übertreibung liegt in der Natur des Menschen. Es kommt gar nicht so darauf an, worum es sich handelt, wie viel der Staat interveniert oder ob es eine Zentralbank gibt: die Märkte gehen rauf und runter, die Leute regen sich auf und regen sich ab. Seit Beginn der Zeitrechnung funktionieren die Märkte so. Märkte haben eine moralische Kraft, indem sie uns Marktteilnehmern eine Lektion erteilen.


Bill Bonner wurde von ZURICH.MINDS eingeladen. Das vollständige Gespräch ist hier als Video verfügbar.


Und die Lektion lautet: Du lagst falsch.

Die Lektion lautet: Du weisst nichts. Und das trifft immer zu. Die Leute treffen immer Vermutungen über Preise und Märkte. Aus ökonomischer Sicht haben Märkte die Aufgabe, den richtigen Preis zu finden. Streng genommen, kennen sie den richtigen Preis nie, weil er sich ständig ändert, und sind deshalb ständig auf der Suche nach ihm. Wenn die Preise steigen, freuen sich die Leute und treiben die Preise noch mehr in die Höhe. Wenn die Preise sinken, entsteht Panik, sie verkaufen, die Preise sinken stark, sie kaufen wieder, und die Preise gehen wieder rauf. Das passiert die ganze Zeit und ist nicht wirklich das Problem. Das Problem liegt woanders, in jenen Kräften, die das Funktionieren der Märkte beeinträchtigen. Wir haben die grösste, dümmste staatliche Zentralplanung, die jemals unternommen wurde. Die Zentralbank der USA versucht absichtlich, die Reservewährungen der Welt zu zerstören…


…indem sie Geld druckt?

Darum geht es im Grunde.


Das ist eine steile These.

Natürlich ist alles viel komplizierter. Aber im Grunde ist das die Story. Und die Zentralbank tut dies, weil sie die falsche Idee davon hat, wie die Dinge funktionieren. Die amerikanische Zentralbank, wie praktisch alle Zentralbanken, glaubt, sie könne die Wirtschaft kontrollieren und verbessern. Dass diese Ansicht zutrifft, konnte nie nachgewiesen werden. Wenn man sich die Geschichte näher ansieht, erkennt man: der einzige Fall, dass zentrale Autoritäten zum finanziellen Wohl des Volkes beigetragen haben, findet sich im Alten Testament, als der Pharao während der fetten Jahre Getreide sparte und es während den mageren Jahren in Umlauf brachte. Wir finden hingegen kein einziges Beispiel in der Wirtschaftsgeschichte, das uns zeigt, dass Zentralbanker, Zentralplaner oder Finanzminister eine Wirtschaft verbessern konnten. Wir wissen, dass sie es vermasseln können. Aber es gibt keine Beweise, dass sie es verbessern können.


Machen sie das, weil sie unwissend sind oder weil wir in Demokratien leben und Politiker wiedergewählt werden müssen? Es ist einfach, Geld zu drucken und es an Anspruchsgruppen – also an Wähler – zu verteilen. Ist das der Teufelskreis der Demokratie?

Diese Überlegung spielt in unseren Demokratien zweifellos eine Rolle, aber sie ist nicht matchentscheidend. Dasselbe Phänomen können wir auch in nichtdemokratisch organisierten Staaten beobachten. Man kann den Gang der Wirtschaft nicht verbessern – aus jenen Gründen, die Hayek vor 70 Jahren dargelegt hat. Er erklärte: eine freie Wirtschaft ist Ausdruck von Millionen von Handlungen, die auf dem Willen von Individuen beruhen. Jemand will ein Auto, ein anderer will mehr Zucker in seinem Kaffee und wiederum jemand will eine Reise irgendwohin unternehmen. Wenn die Leute diese Wünsche umsetzen, treffen sie mit ihrem Geld eine Wahl. Sie wählen, welche Art von Leben sie haben wollen. Nun kommt der Staat oder der Zentralplaner und sagt: es ginge uns allen besser, wenn alle ein Auto hätten. Also nehmen sie das Geld der Leute und stecken es in die Produktion von Autos. Danach haben alle ein Auto. Aber jener, der eigentlich Ferien haben wollte,…

«Der beste Journalismus ist der,
den man liest, obwohl einen das Thema bis dahin gar nicht interessiert hat.
Beim MONAT passiert mir das ständig.»
Niko Stoifberg, Schriftsteller und Redaktor bei «getAbstract», über den «Schweizer Monat»