Die historische Klimaschuld des Westens

In einem neuen Bericht zeigt Avenir Suisse auf, wie viel mehr CO2 die westlichen Länder bereits erzeugt haben.

Die historische Klimaschuld des Westens
Blick auf die Stadt Zürich, fotografiert von Daniel Jung.

Die Denkwerkstatt Avenir Suisse hat am 20. Mai eine 220-Seiten-Studie mit dem Titel «Wirkungsvolle Klimapolitik: Der liberale Weg zu einer CO2-neutralen Zukunft» veröffentlicht. Sie enthält verschiedene spannende Fakten und Überlegungen.

So äussern sich die Autoren – Patrick Dümmler, Lukas Rühli, Teresa Hug Alonso und Mario Bonato – etwa zur Revision des CO2-Gesetzes, über das am 13. Juni abgestimmt wird. Die dort enthaltene Flugticketabgabe nennen sie «eine Fehlkonstruktion», den Klimafonds gar einen «Selbstbedienungsladen». Trotzdem kommen sie zum Fazit, dass die Totalrevision immerhin einen – wenn auch nicht optimalen – Weg darstelle, das Reduktionsziel für 2030 zu erreichen. «Wird die Vorlage abgelehnt, geht wertvolle Zeit verloren», heisst es im Bericht.

Ebenfalls spannend ist die Diskussion der «historischen CO2-Schuld des Westens». Hier wird dargestellt, wie viel Treibhausgase speziell in europäischen und nordamerikanischen Staaten bereits emittiert wurde. Die CO2-Schuld, pro Kopf gerechnet, ist in den USA und Kanada im Schnitt deutlich höher als in Europa.

 

Grafik: Avenir Suisse

 

Spannend ist die Darstellung auch, weil die Autoren sie gleichzeitig hinterfragen. In einer Fussnote schreiben sie: Das Konzept einer «CO2-Schuld» sei per se natürlich fraglich. Die Errungenschaften der industriellen Revolution, die zur Verbrennung fossiler Energieträger führten, hätten weltweit auch erheblichen Wohlstand erzeugt. «Insofern könnte man ebenso gut behaupten, die restlichen Länder stünden in der Schuld des Westens.» Dem könne man aber wiederum die «Schuld der Kolonialisierung» entgegenhalten. Daher sei ein Streiten über Schuld in der Klimadebatte wohl wenig zielführend. «Die hier berechneten Zahlen sollen daher nicht der Klärung moralischer Verantwortung dienen, sondern schlicht statistische Sachverhalte darstellen.» (dj)

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Dominik Imseng,
Managing Partner bei smartcut consulting,
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