…des Schweizer Fussballs

Fussball ist die wichtigste Nebensache der Welt. Er füllt Stadien, bringt Männer zum Verzweifeln, Brüllen und Weinen, fördert oder untergräbt lokalen und nationalen Stolz. Vor der WM 2014 fragen wir uns: Wie halten wir Schweizer es damit? Bestandesaufnahme: Der Oberwalliser Sepp Blatter steht der (nach der katholischen Kirche) mächtigsten nichtstaatlichen Organisation vor. Unsere Nationalmannschaft wird […]

Fussball ist die wichtigste Nebensache der Welt. Er füllt Stadien, bringt Männer zum Verzweifeln, Brüllen und Weinen, fördert oder untergräbt lokalen und nationalen Stolz. Vor der WM 2014 fragen wir uns: Wie halten wir Schweizer es damit?

Bestandesaufnahme: Der Oberwalliser Sepp Blatter steht der (nach der katholischen Kirche) mächtigsten nichtstaatlichen Organisation vor. Unsere Nationalmannschaft wird bis 2014 von einem Deutschen trainiert und besteht zum grossen Teil aus Talenten mit Wurzeln jenseits unserer Grenzen. Wir haben uns für Brasilien qualifiziert und liegen auf Platz 7 der Weltrangliste. Wir haben traditionsreiche Vereine, die in den grössten Schweizer Städten beheimatet sind. Der aktuell erfolgreichste Club ist der FC Basel, der in dem oft buchstäblich nur randständig wahrgenommenen kleinen Halbkanton zuhause ist. Zürich hingegen muss sich fussballerisch schämen. Die beiden grossen Stadtvereine schaffen es nicht, den ewigen Konkurrenten herauszufordern, und Bevölkerung wie Regierung sind das Thema dermassen leid, dass Zürich – als Sitz der Fifa! – kein anständiges Fussballstadion bekommt. Kleinkarierte Nachbarn einer (vom Volk akzeptierten) würdigen Fussballarena haben das Projekt vor Gericht versenkt. Das mickrige, aber immerhin teure Folgeprojekt fand vor dem Volk keine Gnade. Zürich liebt den Fussball nicht. So wie es auch die (Fussball-)Kultur nicht aus vollem Herzen liebt. Zürich liebt das Geld.

Bern und Thun, Aarau und Luzern, Lausanne und Sion, ja selbst St. Gallen, das sind die anderen derzeitigen Schweizer Fussballstädte. Sie haben mehrheitlich schmucke neue Stadien, und wenn es am Geld fehlt, schwingt ein fussballverrückter Hauptaktionär das Zepter.

Die Schweizer spielen guten Fussball. Doch die ganz grosse Leidenschaft dafür haben wir nicht. Wir freuen uns an den Siegen, aber das richtige Leiden der Verlierer haben wir nicht gelernt. Aber genau das gehört zum Fussball dazu. Wer vor lauter Verwöhnung nicht leiden kann, ist zur Leidenschaft nicht fähig. Wer die Hölle fürchtet, kann das Paradies nicht erleben. Dem typisch schweizerischen Leidenschaftsdefizit wird also auch die Reise nach Brasilien nicht abhelfen. Die Schweizer und der Fussball – halt doch nur eine Schönwetterfreundschaft.

«Ein Sprudelbad fürs Hirn!»
Monique Bär, Philanthropin und Gründerin der Arcas Foundation,
 über den «Schweizer Monat»