…des Messwahns

Kritische Erfolgsfaktoren, auf Englisch kurz KPI (Key Performance Indicators) – das sind im Management-Fachjargon Leistungsmerkmale, mit denen Controller und Berater den Erfolg einer Unternehmung oder eines Projektes messen. Es gibt sie auch in der medizinischen und psychotherapeutischen Erfolgsforschung, diese angeblich «objektiven» Kriterien und Messgrössen. Die Zielrichtung stimmt: denn nur was überprüft wird, kann auch verbessert […]

Kritische Erfolgsfaktoren, auf Englisch kurz KPI (Key Performance Indicators) – das sind im Management-Fachjargon Leistungsmerkmale, mit denen Controller und Berater den Erfolg einer Unternehmung oder eines Projektes messen. Es gibt sie auch in der medizinischen und psychotherapeutischen Erfolgsforschung, diese angeblich «objektiven» Kriterien und Messgrössen. Die Zielrichtung stimmt: denn nur was überprüft wird, kann auch verbessert werden. Doch verkommen diese Indikatoren zunehmend zum Selbstzweck.

Die Zeitspannen für die Messung von Entwicklungen verkürzen sich immer mehr: Sofortiger Payback statt langfristig gute Entwicklung heisst die Devise. Die Folge: Wenn die Mehrheit der Indikatoren nicht auf Grün steht, bricht Panik aus. Die Folge davon: zusätzliche pseudoobjektive Messungen und nicht selten auch purer Aktivismus. Damit verkommen diese ursprünglich mit den besten Absichten definierten Instrumente immer mehr zur Alibiübung, zum Ersatz für echte Reflexion des eigenen Handelns und damit einhergehende Leistungskontrolle. Was passiert mit Unternehmen, in denen das gegenseitige Vertrauen und eine profunde Leistungskultur verlorengegangen und einer oberflächlichen Messmanie gewichen sind? Wer Nachdenken durch das Zählen ersetzt, stagniert und gefährdet
die langfristige Profitabilität und somit den Bestand des Unternehmens. Aus langer eigener Erfahrung wissen wir, dass unternehmerisch denkende Menschen demoralisiert werden, wenn Kreativität und Innovationsgeist verlorengehen, das Betriebsklima kühler wird und ursprünglich motivierte Mitarbeiter zu Sklaven formaler Qualitätsmanagementprozesse mutieren.

Wir ermuntern alle unternehmerisch denkenden Menschen, dem hirnlosen Messwahn, der stetig steigenden pseudoobjektiven Indikatorenflut und den lähmenden unzähligen Milestone Meetings den Kampf anzusagen. Denn was wirklich zählt, sind Selbstverantwortung, eigenständiges Denken und innere Motivation. Und diese Grössen lassen sich nicht so leicht messen.

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