…des Gesundheitskonsums

Wir haben in den letzten Wochen und Monaten viel über die freie Wahl der Krankenkasse und des Arztes, über Notwendigkeiten und Wünschbarkeiten in der Gesundheitsversorgung, über die überbordenden Kosten lesen und hören können. Schuldzuweisungen allenthalben: geldgierige Pharmalobby, Ärztefilz, Spitalgerangel, Kassenlobbyisten. Politiker fast jeglicher Couleur stimmten laute Wehklagen an und priesen ihre eigenen Rezepte. Das Verhalten […]

…des Gesundheitskonsums

Wir haben in den letzten Wochen und Monaten viel über die freie Wahl der Krankenkasse und des Arztes, über Notwendigkeiten und Wünschbarkeiten in der Gesundheitsversorgung, über die überbordenden Kosten lesen und hören können. Schuldzuweisungen allenthalben: geldgierige Pharmalobby, Ärztefilz, Spitalgerangel, Kassenlobbyisten. Politiker fast jeglicher Couleur stimmten laute Wehklagen an und priesen ihre eigenen Rezepte.

Das Verhalten der Patienten wurde interessanterweise dabei nie thematisiert. Wir meinen, es lohnt sich, da genau hinzuschauen.

Seit geraumer Zeit sehen sich die Fachkräfte im Gesundheitswesen einer stetig wachsenden Komplexität ihrer Aufgaben gegenüber. Es sind nicht nur die technischen Neuerungen der Medizin und die verbesserten Heilungsmöglichkeiten durch medikamentöse und invasive Behandlungen. Es sind auch nicht bloss die stetig wachsenden administrativen Ansprüche der Krankenversicherungen. Es sind primär die Anforderungen der Kunden (früher Patienten genannt), die Ärzte und Therapeuten auf Trab halten.

Mit im Internet angeeignetem medizinischem Halb-wissen und entsprechender Ungeduld bestens ausgestattet, kommen heute oft keine Kranken, sondern Konsumenten in die Praxis. Ihre Forderung an den Arzt oder Therapeuten ist simpel und aggressiv: Gesundheit steht mir zu, und das sofort und umfassend, schliesslich bezahle ich ja dafür.

Heilungsprozesse sollen unter wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Druck beschleunigt werden. Die ärztliche Kunst verliert an Terrain, man will schnelle Erfolge. Schuldige sind schnell gefunden, nämlich immer die anderen.

Wir meinen: Das geht schon länger nicht mehr gut, und wir werden die Folgen bald deutlicher spüren. Das Gesundheitssystem krankt an der Wurzel, nämlich bei jedem einzelnen und an seinen übersteigerten Heilungserwartungen. Einheitskasse, Abgabe von Generika oder Oberaufsichten – das alles hilft nichts, solange jedes einzelne Mitglied unserer Gesellschaft nicht willens und fähig ist, Eigenverantwortung zu übernehmen.

«Sympathisch elitär, aber nie hochnäsig!
Die Kollegen beim MONAT wissen,
dass der liberalen Haltung ein Schuss Ironie gut bekommt.»
Rainer Hank, «FAZ»-Kolumnist,
über den «Schweizer Monat»