Der Sport heiligt die Mittel – wie lange noch?

An der Spitze des Sports geht es um Geld, Macht und Günstlingswirtschaft. Die Korruption geht weit und sitzt tief. Unternehmen, die den Sport unterstützen, wissen das, tun aber nichts dagegen. Auch die Politik spielt mit. Der Sport hätte Besseres verdient. Seine Förderer auch.

Der Sport heiligt die Mittel –  wie lange noch?
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Im Dreieck «Sport, Sponsoring und Politik» bewegt sich der Sport in einer rechtsflauen Zone. Er regelt vieles intern und in eigenen Gerichten. Wie ein Bernhardinerhund, der ein Wurstlager bewacht. Für die Wirtschaft gilt hingegen das staatliche Recht. Die Sonderstellung des Sports ist zwar bis zu einem gewissen Grad sinnvoll. Wenn es jedoch um Milliarden geht, um quasipolitische Entscheide oder um Kartelle und Korruption, darf es nur einen Massstab geben: das Gesetz. Denn dann reichen die Wirkungen weit über die Sportwelt hinaus. Wohlgemerkt: nicht der Sport an sich gehört in rechtliche Fesseln, sondern jene, die ihn um Recht und Ordnung herum in den Sumpf führen. 

Beim Griff nach Glanz und Gloria wird im Weltsport ungehemmt geschoben, geschmiert und kassiert. Die grossen Sportdachverbände vergeben Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele an Diktaturen; und das in trüben Verfahren, in denen Bestechung und Stimmenkauf gang und gäbe sind. Die hohle Hand ist längst ein olympisches Prinzip. Einsicht, Verantwortung und Vorbildlichkeit sind nur noch Wanderpokale. Der Dünkel verstellt den Blick. Alle wissen: ohne Spritzen keine Spitze.

In den Stadien wehen Totenkopffahnen und brennen Fackeln. Der Nationaltrainer zeigt dem Schiedsrichter den Stinkefinger und entschuldigt sich nicht einmal anständig dafür. All das ist reputationskritisch. Für den Sport selber und für die Unternehmen, die den Sport fördern. Müssen die Sponsoren das dulden? Dürfen sie vom Sport eine korruptionsfreie Governance, transparente Verfahren und Rechenschaft fordern oder sonst aussteigen? Ja, sie dürfen. Mehr noch: wenn es um Werte geht, die sie in aller Öffentlichkeit in Leitbildern und Nachhaltigkeitsberichten selber vertreten, müssen sie es sogar. Der Bruch mit Grundsätzen ist ansteckend. Eine Haltung, die man nicht billigt, aber in Verbindung mit seinem Namen toleriert, wird zur eigenen Haltung. Wer nicht Position bezieht, bezieht auch Position.

Mit den Idealen und dem Geld ist es wie im Trickfilm mit dem Schaf und dem Wolf, die jeden Morgen gemeinsam im Bus zur Arbeit fahren. Dann hält der Bus vor der Fabrik, sie stempeln ein und der Arbeitskampf beginnt. Das Schaf ist jetzt Schaf, und der Wolf ist Wolf. Der Wolf jagt das Schaf, schreckt und hetzt es um Leben und Tod, will es reissen und fressen – und das Schaf rennt um alles oder nichts, versteckt sich, zittert am ganzen Leib und kommt nur knapp davon. Dann ist die Arbeitszeit um, und es wird ausgestempelt. Wieder sitzen sie nebeneinander im Bus. «War das ein Tag», sagt das Schaf, «eine einzige Hetzjagd.» «Sag nichts», meint der Wolf, «aber du kennst ja die Regeln in der Fabrik.» Und am nächsten Tag geht es erneut von vorne los. Dann regieren nicht mehr Ideale, sondern das Geld. So wollen es die Regeln der Fabrik – und jene des grossen Sports.

Ähnlich verhalten sich Sport und Politik. Aus der Idee, der Sport könne über alle Grenzen hinweg zur Völkerverständigung beitragen, wurde der Rausch der Sportfunktionäre nach politischem Einfluss und die Sucht der Politik, sich den Sport zu unterwerfen. Das beginnt harmlos, aber peinlich, wenn sich das politische Spitzenpersonal medienaktiv im Medaillenglanz sonnt und sein Image mit dem Glamour der Stars überzuckert. Das ist freilich nur der Anfang. Natürlich, der Sport ist politisch: Das Aufstellen von Nationalmannschaften ist es, die Staatsgelder für Olympiakandidaturen und den Sportstättenbau sind es und das lange Hin und Her vor der Öffnung des Sports für Frauen und Schwarze war es. Das geht bis zum Exzess, etwa der Inszenierung von Hitlers Nazi-Politik an den Olympischen Spielen von 1936 in Berlin. Oder das Medaillenwettrüsten im Kalten Krieg. Damals heiligte im Ostblock der Medaillenspiegel das totalitäre System. Die Reihe ist lang und leider aktuell. Die grossen internationalen Sportdachverbände fühlen sich offenbar magisch dort hingezogen, wo der Sport (und somit…

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Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
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