…der Lethargie

Der Mensch wird von zwei Grundtrieben bewegt und gedrängt: dem Lebenstrieb und dem Todestrieb. Ziel des ersteren ist, Lust und Befriedigung zu finden, dem Leben Sinn abzugewinnen, Ziele zu erreichen. Der Todestrieb arbeitet in die entgegengesetzte Richtung: Er will das Aktivierungs- und Erregungsniveau herabsetzen, sucht den toten Zustand, arbeitet in Richtung Verdrängung. Stillstand. Friedhofsruhe. Lethargie. […]

Der Mensch wird von zwei Grundtrieben bewegt und gedrängt: dem Lebenstrieb und dem Todestrieb. Ziel des ersteren ist, Lust und Befriedigung zu finden, dem Leben Sinn abzugewinnen, Ziele zu erreichen. Der Todestrieb arbeitet in die entgegengesetzte Richtung: Er will das Aktivierungs- und Erregungsniveau herabsetzen, sucht den toten Zustand, arbeitet in Richtung Verdrängung. Stillstand. Friedhofsruhe. Lethargie.

Lethargie kommt von Lethe, einem Strom in der Unterwelt. Wer sein Wasser trinkt, fällt dem Vergessen anheim, verliert die Erinnerung und das Interesse.

Ähnliches passiert, wenn in einer Organisation die Leader und die Mitarbeiter sich nicht mehr für das Ziel der Firma begeistern, in einen routinierten Alltagstrott verfallen, keine kreative Energie in Diskussionen investieren, nur noch den Status quo verwalten. Dann gestalten sie ihr Leben nicht mehr aktiv, sondern erleiden es passiv. Statt sich von ihren eigenen Wünschen antreiben zu lassen und Risikobereitschaft aufzubringen, hängen sie resigniert herum und haben abgeschaltet. Sie haben sich selbst vergessen.

Genau das ist es, was in der Politik derzeit passiert. Scheitern des Euro? Darf nicht sein. Und was nicht sein darf, ist nicht. Verpackt wird solche Leugnung als Hoffnung, in Wahrheit ist der derzeitige Umgang mit den Staatsdefiziten und der Schuldenkrise ein Musterbeispiel für Lethargie. Es wird umgeschuldet, Geld gedruckt, Sand in die Augen gestreut, verharmlost und schnell vergessen. Aus den Augen, aus dem Sinn! Statt die Ursachen und systembedingten Mängel schonungslos aufzudecken und ohne Rücksicht auf ideologische Befindlichkeiten die Probleme anzugehen, wird verdrängt, was das Zeug hält. Insgeheim – also unbewusst – wissen die involvierten Parteien, dass die Sache nicht gut ausgeht. Aber sie haben die Kraft nicht, sich gegen ihr besseres Wissen aufzulehnen, obwohl genau dies der einzige Schritt wäre, der im Interesse der heutigen wie der zukünftigen Generationen läge!

Um jegliche Unruhe und Angst und damit auch jeglichen energischen Drive zu unterdrücken, wird der mit Aktionismus getarnte Stillstand zum Programm. Lehnen wir uns auf. Verweigern wir uns dem Verweigern! Mobilisieren wir unsere Lebenstriebe, setzen wir sie ins volle Recht, und sagen wir der lethargischen Seuche den Kampf an! Jetzt!

«MONAT für MONAT
eine sinnvolle Investition.»
Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
über den «Schweizer Monat»