Der Künstler leidet, das Publikum freut sich dennoch

Bright Eyes spielen im Zürcher X-TRA ein überraschend gutes Konzert.

Der Künstler leidet, das Publikum freut sich dennoch
Bright Eyes im Zürcher Club X-TRA, fotografiert von Daniel Jung.

Die Vorzeichen waren nicht gut: Conor Oberst, Sänger und Songschreiber der US-Band Bright Eyes, soll auf der aktuellen Tour, die wegen Corona zweimal verschoben worden war, in keiner guten Verfassung sein. Im Mai hatte er im texanischen Houston die Bühne nach zwei Songs verlassen, worauf sich viele Zuschauer Sorgen machten um den Gemüts- und Gesundheitszustand des Melancholikers.

Zwei Tage vor dem Konzert in Zürich war die Band in Wien aufgetreten. Eine Journalistin von Radio FM4 fragte darauf: «Gibt es aber nicht einen merkbaren Unterschied zwischen Textverwechslung und ganzen Aussetzern? Hat Conor Oberst die Augen zu wegen der vielen Gefühle oder weil er sie einfach nicht mehr offen halten kann?» Am Tag darauf trat die Band in Bayern auf, worauf die «Süddeutsche Zeitung» schrieb: «In München stellt sich die Frage, ob es fair ist, jemanden in dieser Verfassung auftreten zu lassen. Man hat Mitleid.»

In Zürich schliesslich zeigt sich der 42jährige Sänger am 27. August 2022 in vergleichsweise stabiler Verfassung. Auch hier trinkt er häufig aus einer Thermoskanne auf dem Piano, die wahrscheinlich Wein enthält. Aber er zeigt kaum Aussetzer bei den komplexen Songtexten und steuert seine Parts an Gesang, Gitarre und an den Tasten sehr zuverlässig bei. Seine teils längeren Ansagen sind eigensinnig, aber nicht wirr.

Die Musik der Band hat einen grossen Schritt Richtung Bruce Springsteen gemacht: Das achtköpfige Ensemble mit Bläsern und Streichern liefert einen Breitbildsound, der manchmal fast zu mächtig aufgetragen wird. So sind es denn in der zweiten Hälfte des Konzerts gerade die ruhigeren Momente, die berühren, zum Beispiel das in Dreier-Formation dargebotene «First Day Of My Life».

Positiv stimmt ebenfalls, dass Oberst im X-TRA in Zürich begeistert vom Schwimmen in der Limmat erzählt – obwohl offensichtlich immer noch viel Schmerz der Welt auf ihm lastet. (dj)

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Monique Bär, Philanthropin und Gründerin der Arcas Foundation,
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