Der Kanton Schwyz – Erfolg hat seinen Preis

In gut einem Jahr werden die ersten Züge den Gotthard im neuen Tunnel unterqueren und durch den Kanton Schwyz rollen. Die Fahrtzeit zwischen der Innerschweiz und dem Wirtschaftsmotor Italiens, der Lombardei, wird sich markant verkürzen. Das Jahrhundertprojekt Neat eröffnet im Dezember 2016. Welche Auswirkungen wird diese historische Verkürzung der Arbeits- und Reisewege auf den Kanton […]

In gut einem Jahr werden die ersten Züge den Gotthard im neuen Tunnel unterqueren und durch den Kanton Schwyz rollen. Die Fahrtzeit zwischen der Innerschweiz und dem Wirtschaftsmotor Italiens, der Lombardei, wird sich markant verkürzen. Das Jahrhundertprojekt Neat eröffnet im Dezember 2016.

Welche Auswirkungen wird diese historische Verkürzung der Arbeits- und Reisewege auf den Kanton Schwyz haben? Das haben wir uns gefragt. Am Vorabend des zehnten Wirtschaftsforums des Kantons Schwyz wollten wir uns über das Infrastruktur-Grossprojekt an diesen Wirtschaftsraum zwischen Zürich-, Zuger- und Vierwaldstättersee herantasten.

Wir suchten Hinweise für eine goldene Zukunft – und wir trafen auf dringende und drängende Fragen, die sich nicht erst in einem Jahr stellen. Wir fahndeten nach Chancen – und fanden neben Standortvorteilen und Attraktionen einige Zweifel und Sorgenfalten.

Der Kanton Schwyz, dieses heterogene Gebilde, verwandelte sich wirtschaftlich innert weniger Jahrzehnte von einem landwirtschaftlich geprägten Kanton zu einem Dienstleistungs- und Pendler-Hotspot. Eine ambitionierte Steuerpolitik, schlanke Gemeindewesen und eine effiziente Kantonsverwaltung als Rahmen- und Taktgeber, geographische Vorzüge, die verkehrstechnische Nähe zu «Boomtown» Zürich, ein Finanzcluster am Zürichsee, innovative Klein- und Kleinstunternehmen, all das und noch einiges mehr schufen den Humus für gedeihenden Wohlstand. Der Kanton Schwyz wuchs und wächst.

Doch seit kurzem zeigt sich, dass der Erfolg seinen Preis hat. Die Boden- und Mietpreise bewegen sich heute an einigen Stellen in den phantastischen Sphären der Grossstädte, die traditionellen Dorfstrukturen laugen aus. Die Zahl der täglich wegpendelnden Arbeitenden ist im ungesunden Plus. Die Einwohnerzahl steigt. Zwar werden vermehrt neue Arbeitsplätze geschaffen, vor allem im Talkessel Schwyz und in Küssnacht am Rigi, aber die Wertschöpfung in den Regionen Innerschwyz, Einsiedeln oder March/Höfe verharrt unter dem Schweizer Durchschnitt. Das schlägt sich finanztechnisch nieder: Das Steuersubstrat entspricht keinesfalls seinem Potential. Der Kanton berappt im Nationalen Finanzausgleich als Nettozahler den Preis des Erfolges, gleichzeitig fabriziert er Defizite und verschuldet sich. Die entlasteten Gemeinden zwei Organisationsstufen tiefer häufen Vermögen an. Eine innere Disbalance zeichnet sich ab.

Welche Rezepte es (zum Beispiel mit Cluster-Strategien) mit Blick auf eine neue Balance gibt, welche grossen Chancen das Schwyzer Modell weiterhin besitzt und wohin die Reise (durch den Gotthardtunnel) künftig führen wird: Das haben wir in vielen Gesprächen herauszufinden versucht. Sie weisen die Richtung für andere Kantone – und die gesamte Eidgenossenschaft. Sie finden Sie in diesem Magazin.

 

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