Der informatische Mensch

Vom Leben an der Schnittstelle

Der informatische Mensch
Bild: fotolia

Wenn ein Zeitreisender aus dem Jahre 1913 in einer Stadt der Gegenwart landete, würde er mit aufgerissenen Augen durch die Strassen laufen – wenn er sich denn überhaupt zu bewegen getraute. Er würde staunend sehen, wie Strassenampeln von Rot auf Grün wechseln und sich Fahrzeuge wie von selbst in Bewegung setzen, wie sich Türen öffnen, sobald sich ihnen jemand nähert, wie Menschen sich von kleinen Bildschirmen in der Hand führen lassen. Was er jedoch genauso wenig sähe wie wir heute, sind die Sensoren, die Verkehrsobjekte und deren Bewegungen erfassen, diese den Computerprogrammen der Leitzentrale übermitteln und damit einen winzigen Bruchteil des immensen Datenstromes speisen, der über unsichtbare Funknetze und unterirdische Glasfaserstränge unentwegt Informationen zwischen zahllosen Computern austauscht.

Die Frage ist nicht, ob unser Zeitreisender die ihm fremd erscheinende Welt von 2013 als gut oder schlecht empfindet, ob er staunt, sich fürchtet oder gar sich freut. Die Frage ist, was wir Menschen von heute aus der Informationstechnologie machen. Ein dank künstlicher Intelligenz funktionierender Flugroboter kann dazu genutzt werden, Menschen in abgelegenen Gebieten oder an Unfallorten mit Medikamenten und Blutkonserven zu versorgen. Unbemannte Flugobjekte können auch Waffen sein. Technologie ist immer Werkzeug. Es kommt darauf an, wie der Mensch sie einsetzt. Unabhängig davon, wie leistungsfähig Algorithmen und digitale Geräte werden können, es sind und bleiben die Menschen, die Computern ihre Funktionalität vordenken – sie programmieren.

Dass mit der laufend wachsenden Delegation von Aufgaben an «den Computer» psychologische Abwehrreflexe sowie Ohnmachtsgefühle verbunden sind, liegt in der Natur der Sache. Wo die Grenzen zwischen vertrauter physischer und unbekannter virtueller Welt neu definiert werden, hinkt das Verständnis für Wirkung und langfristige Konsequenzen des technologischen Fortschritts hinterher. Deshalb ist gut beraten, wer als Nutzer der digitalen Technologie vom Passiv- in den Aktivmodus wechselt und lernt, selber Regeln zu setzen, statt sich nur steuern zu lassen. Der Schlüssel dazu ist Wissen über Ursprung, Möglichkeiten und Grenzen der Informatik. Nur wer dieses erwirbt, hat die Chance, selbstbestimmt delegieren zu können und Befehlsgeber statt Befehlsempfänger zu werden. Das Dossier über den «informatischen Menschen» soll dazu einen Einstieg bieten.

Die Redaktion

«Der beste Journalismus ist der,
den man liest, obwohl einen das Thema bis dahin gar nicht interessiert hat.
Beim MONAT passiert mir das ständig.»
Niko Stoifberg, Schriftsteller und Redaktor bei «getAbstract», über den «Schweizer Monat»