Der Bürger – ein Ideal von gestern für die Gesellschaft von morgen

Gibt es ihn noch, den Bürger? Dass es ihn in grosser Zahl gegeben hat, davon erzählen ältere Gebäude in jeder Schweizer Stadt. Über einen Bürgersteig ist jeder von uns schon einmal gelaufen, die Bürgerwehr kennen wir aus amerikanischen Filmen, und seine Bürgerrechte will auch niemand missen. Aber denken wir den «Bürger» dabei auch tatsächlich mit? […]

Gibt es ihn noch, den Bürger? Dass es ihn in grosser Zahl gegeben hat, davon erzählen ältere Gebäude in jeder Schweizer Stadt. Über einen Bürgersteig ist jeder von uns schon einmal gelaufen, die Bürgerwehr kennen wir aus amerikanischen Filmen, und seine Bürgerrechte will auch niemand missen. Aber denken wir den «Bürger» dabei auch tatsächlich mit? Wohl eher selten: Wer heute «bürgerlich» sagt, meint meist etwas Vergangenes:

«Unter Bürgertum versteht man im engeren Sinn eine Gesellschaftsschicht, die sich aus unterschiedlichen sozialen Gruppen des gehobenen Mittelstandes zusammensetzt, die über Besitz und Bildung verfügen. Sie lässt sich besser anhand mentalitätsmässiger als wirtschaftlicher Merkmale definieren.

Dominierende Kraft zumindest in den westeuropäischen Staaten war das Bürgertum in der Zeit zwischen den 1848er Revolutionen und dem 1. Weltkrieg, dem ‹Zeitalter des Bürgertums›. Nach dem theoretischen Muster des frühbürgerlichen Liberalismus bildete die Bürgerliche Gesellschaft jene staatsfreie und politikferne Sphäre bürgerlicher Privatleute, in der anstelle politischer Herrschaft über Menschen nur noch ökonomische Herrschaft über Sachen zulässig ist. Das Ideal dieser neuen Bürgerlichen Gesellschaft war, in Absetzung vom Absolutismus, von staatlichen Regulierungen, geburtsständischen Privilegien und klerikaler Dominanz, eine sich selbst steuernde Gesellschaft freier, in rechtlicher und politischer Hinsicht gleicher, öffentlich diskutierender und vernünftig entscheidender Staatsbürger.

Von der politischen Philosophie als eine Art neues Sozialmodell entwickelt, umfasste die Bürgerliche Gesellschaft sowohl eine neue politische Ordnungsidee (Volkssouveränität, Selbstverwaltung) als auch eine neue Wirtschaftstheorie (Marktwirtschaft) und Strukturvorstellung für die Gesellschaft (freie Interessenformierung, Leistungsprinzip).

In der Schweiz, in welcher es den Adel als handlungsfähige soziale Klasse schon zu Beginn der Moderne nicht mehr gab, war die historische Prägekraft des Bürgertums besonders nachhaltig, mit Auswirkungen bis in die Gegenwart.»

So weit das Historische Lexikon der Schweiz. An der Schwelle zur Gegenwart lässt es uns erwartungsgemäss im Regen stehen. Dabei tun sich gerade neue Angebote auf: Wutbürger, Spassbürger, Profibürger, Schein- und Spiessbürger entwickeln – je nach Milieu – neue Anziehungskraft oder neues Abschreckungspotential. Wie steht es heute um den Bürger, seine Tugenden und seine Gesellschaft? Die folgenden Seiten geben Antworten auf diese Fragen, die der Blick zurück allein nicht beantworten kann.

Viel Vergnügen!

Die Redaktion

 

Der Bürger – ein Ideal von gestern für die Gesellschaft von morgen

Gibt es ihn noch, den Bürger? Dass es ihn in grosser Zahl gegeben hat, davon erzählen ältere Gebäude in jeder Schweizer Stadt. Über einen Bürgersteig ist jeder von uns schon einmal gelaufen, die Bürgerwehr kennen wir aus amerikanischen Filmen, und seine Bürgerrechte will auch niemand missen. Aber denken wir den «Bürger» dabei auch tatsächlich mit? […]

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Dominik Imseng,
Managing Partner bei smartcut consulting,
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