«…dem ist ein Platz ganz nah beim Erlöser garantiert»

Wie lassen sich die Staatsschulden jemals abtragen? Und wird unser Geldsystem überleben? Dem Entdecker des Königswegs im finanzpolitischen Krisenmanagement, so erfahren wir von Ökonom Gunnar Heinsohn und Bankier Karl Reichmuth, winkt als Belohnung ein Platz im Paradies.

«…dem ist ein Platz ganz nah beim  Erlöser garantiert»
Gunnar Heinsohn, photographiert von Michael Wiederstein.

Herr Heinsohn, Herr Reichmuth, Sie kennen das Geld aus Theorie und Praxis. Allenthalben ist zurzeit von den Problemen des Geldsystems die Rede – können Sie uns sagen, was Geld ist und woran das System krankt?

Karl Reichmuth: Geld ist das wohl am breitesten angewandte Kommunikationsmittel, ein Medium, um sich über Werte, materielle Werte, zu unterhalten. Früher wurde auch zwischen Kapital und Geld unterschieden, heute aber wird alles täglich gehandelt – und weil alles täglich gehandelt wird, versteht man nicht mehr, dass Kapital im Unterschied zum Geld keine tägliche Forderung, sondern eine Forderung über längere Zeit ist.

Konkreter, bitte.

Reichmuth: Ich behaupte: Das Tagesgeld, das zum Tauschen da ist, sollte keinen Zins geben. Das Kapital, das man unter einem heutigen Verzicht für einen späteren Konsum anlegt, hingegen schon. In der Vermischung dieser beiden Funktionen – die das Diktat der Nationalbanken, das heisst letztlich der Politik, herbeigeführt hat – sehe ich das grosse Problem unseres Geldsystems.

Gunnar Heinsohn: Fraglos wird heute mit keinem Mittel mehr kommuniziert als mit Geld. Damit, lieber Herr Reichmuth, ist aber noch nichts über dessen Wesen gesagt. In seiner Essenz ist das Geld, die Geldnote, eine Forderung gegen das Eigentum dessen, der die Geldnote in Umlauf bringt. Warum kann ich mit einem schlichten Schein Eigentum kaufen? Weil dieser Schein selber eine Forderung gegen einen Eigentümer darstellt respektive mit Eigentum besichert ist – im aktuellen System mit Eigentum der Zentralbank. Früher waren es private Notenbanken, die Geld, also mit Eigentum besicherte Münzen oder Scheine, in Umlauf brachten, heute haben wir ein zweistufiges Bankensystem, in dem Geld eine Forderung gegen das Eigentum der emittierenden Zentralbank ist.

Geld ist heute also aufs engste mit den Zentralbanken verknüpft. Diese sind ursprünglich entstanden, um die Probleme des Geldsystems zu lösen, sind aber mittlerweile entscheidender Teil des Pro­blems. Korrekt?

Heinsohn: Das ist so einfach nicht zu sagen. Die Zentralbanken haben eine wechselvolle Geschichte und wurden ursprünglich als Heilmittel geschaffen. Das Prinzip vor 1913 – damals wurde die Zentralbank in den USA geschaffen – war einfach: Stellen Sie sich vor, dass sich unter zahlreichen privaten Notenbanken ein schlampiger Betrieb befindet, der schlecht besichertes Geld in Umlauf bringt oder von Schuldnern windige Pfänder akzeptiert. Diese faulen Noten drohen das ganze System zu kontaminieren und einen Run auf alle Bankhäuser auszulösen. Was tun da die soliden Banken, um das Publikum zu beruhigen? Sie gründen – unter Einlage von Eigenkapital – eine Bank über sich, von der man nun mit Sicherheit weiss, dass sie keine unbesicherten Stücke enthält, und diese Überbank gibt fortan die Noten aus…

…die aber offenbar doch nur vermeintlich besichert waren? Schliesslich erlebten wir auch nach 1913 noch Bankruns und Krisen des Geldsystems.

Heinsohn: Richtig. Es gibt verschiedene Varianten, das Heilungsverfahren «Zentralbank» selber krank zu machen. Eine besteht darin, den Zins auf ein ganz tiefes Niveau herunterzufahren, wie das etwa die Fed und die EZB in der falschen Hoffnung getan haben, die Produktion im Heimmarkt zu stimulieren…

Reichmuth: …und eine andere beruht tatsächlich auf der mangelhaften Besicherung des Geldes!

Heinsohn: Genau. Eine Zentralbank muss nicht nur einen vernünftigen Zins nehmen, sondern auch ein solides Pfand verlangen, wenn sie Geld verleiht – und letzteres ist heute genauso wenig gegeben wie ersteres: Das Eigenkapital der Nationalbanken und die Pfänder der geldleihenden Geschäftsbanken bestehen gleichermassen aus Staatspapieren, die ihrerseits zu einem guten Teil nie mehr bedienbar, also letztlich reine Luft sind.

Die Frage ist nun: Wer schafft es, diese Luft – gemeint sind: horrende Schulden – herauszulassen?

Heinsohn: Wer das geschickt machen kann, dem ist ein Platz ganz nahe beim Erlöser garantiert. (lacht)

Reichmuth: Ich bin mit dieser Analyse zwar einverstanden, finde es aber wichtig, die Akteure…

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Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
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