Das «Land Afrika»

Kürzlich sass ich mit einem Parlamentarier einer einigermassen liberalen Partei beim Mittagessen. Ich erzählte ihm von Afrika, genauer: von Äthiopien, wo ich dieses Jahr als Berater für einen sicherheitspolitischen Think Tank arbeitete. Der besagte Herr glaubte, aufgrund einer Westafrikareise in den Siebzigerjahren durchaus selber in der Lage zu sein, die Situation unseres Nachbarkontinents zu beurteilen […]

Das «Land Afrika»

Kürzlich sass ich mit einem Parlamentarier einer einigermassen liberalen Partei beim Mittagessen. Ich erzählte ihm von Afrika, genauer: von Äthiopien, wo ich dieses Jahr als Berater für einen sicherheitspolitischen Think Tank arbeitete. Der besagte Herr glaubte, aufgrund einer Westafrikareise in den Siebzigerjahren durchaus selber in der Lage zu sein, die Situation unseres Nachbarkontinents zu beurteilen – und diese schien ihm zappenduster: Krieg, Korruption, Kleptokraten und zu viele Kinder allenthalben. Und mit einer recht zweifelhaften Arbeitsmoral seien sie gesegnet, diese Afrikaner!

Da war einiges durcheinandergeraten. Afrika ist grösser als die USA, China, Indien, Japan und Europa zusammen; solche haarsträubenden Verallgemeinerungen sind allein schon aufgrund der enormen Distanzen und unterschiedlichen Kulturen unzulässig. Was ich vor Ort erlebte, widerspricht den Klischees aber noch deutlicher: Die vielen jungen Leute sind eine Chance für den Kontinent – sofern es denn Arbeit gibt – und könnten auch die demographischen Probleme westlicher Gesellschaften abfedern helfen. Es wimmelt nur so von Lebenskünstlern, die sich als informelle Kleinunternehmer durchschlagen. Grosse Teile Afrikas entwickeln sich momentan nicht nur zur potentiellen Werkbank der Welt, sondern brillieren auch durch Innovation: Die in Kenia entwickelten Handy-Zahlungsmittel etwa werden wohl früher oder später auch nach Europa kommen – wir sind diesbezüglich nämlich eine Technologie-Generation im Hintertreffen. Die im Ausland häufig gut ausgebildeten Diaspora-Afrikaner haben derweil mit ihrem in die Heimat zurückgeschickten Geld unbemerkt die westliche Entwicklungshilfe ersetzt. Wäre der Westen endlich bereit, die eigenen Märkte für afrikanische Produkte zu öffnen, stünde dem vielzitierten «Rising Africa» («The Economist») kaum etwas im Wege!

Bei Gelegenheit würde sich für den liberalen Parlamentarier wohl ein (erneuter) Augenschein im «Land Afrika» lohnen. Und für Sie?

«MONAT für MONAT
eine sinnvolle Investition.»
Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
über den «Schweizer Monat»