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Das Ende der Schuldenspirale: Wir steuern auf eine zunehmend inflationäre Welt zu
Eine Frau hat sich während der Hyperinflation der Weimarer Republik 1918–1924 aus wertlosen Banknoten ein Kleid gebastelt. Bild: Alamy/Pictorial Press Ltd.

Das Ende der Schuldenspirale: Wir steuern auf eine zunehmend inflationäre Welt zu

Müssen politische Entscheidungsträger zwischen einer lähmenden Inflation und einer Depression wählen, werden sie sich für eine monetäre Neujustierung entscheiden. In den USA wird das in den nächsten Jahren passieren.

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Das heutige Finanzsystem kann nicht ewig weiterbestehen; letztendlich wird es zu einer Krise kommen und zum Scheitern. Die Marktverzerrungen werden immer ausgeprägter, und der Zeitrahmen für diesen bevorstehenden Umbruch verkürzt sich rapide. Unter Anwendung des Fourth-Turning-Modells 1 können wir schätzen, dass eine Lösung dieser Krise wahrscheinlich zwischen 2028 und 2033 eintreten wird. Historisch gesehen dauern solche Perioden bedeutender, turbulenter Veränderungen in der Regel zwischen 15 und 25 Jahren, im Durchschnitt vielleicht 20 Jahre. Setzt man den Beginn dieser vierten Wende auf das Jahr 2008, das mit dem Ausbruch der globalen Finanzkrise zusammenfällt, wird die Lösung zwischen 2023 und 2033 erfolgen.

Wir befinden uns in einer Ära wiederkehrender Finanzblasen, die in der inhärenten Instabilität von Fiatgeld wurzeln. Von der Dotcom-Blase über die Immobilienblase bis hin zur allumfassenden «Everything Bubble» ist jede nachfolgende Blase noch umfassender und weitreichender geworden. Die aktuelle Blase, die durch Gelddrucken, erschreckend niedrige Zinsen und explodierende Staatsdefizite angeheizt wurde, hat zu künstlich aufgeblähten Vermögenspreisen in allen Bereichen geführt. Es gibt kein Niveau über dieser Blase. Platzt sie, werden die Glaubwürdigkeit und der Wert staatlicher Währungen mit ihr verschwinden.

Gefangen in einer Schuldenspirale

Die Regierungen haben sich übernommen und Ansprüche auf Vermögen auf dem Papier ausgegeben, die in der Realität niemals erfüllt werden können. Um diese Verpflichtungen zu erfüllen, ist eine übermässige Geldschöpfung erforderlich, die unweigerlich zu einer Abwertung der Währung und letztlich zu ihrem Zusammenbruch führen wird. Wie wird sich dieses Szenario abspielen? Der Markt für US-Staatsanleihen dürfte der erste Dominostein sein, der fällt, da die Anleger erkennen, dass die Abhängigkeit der Regierung von der Geldschöpfung untragbar ist und die Inflation eine existentielle Bedrohung für ihr Vermögen darstellt. Ceteris paribus wird sich die US-Regierung, wenn die Zinsen der Staatsanleihen aufgrund steigender Verkäufe und sinkender Nachfrage steigen, in einer Schuldenspirale wiederfinden. Steigende Zinsaufwendungen werden zu grösseren Defiziten führen und den Verkauf von noch mehr Anleihen erforderlich machen.

«Die Regierungen haben sich übernommen und Ansprüche auf Vermögen auf dem Papier ausgegeben, die in der Realität niemals erfüllt werden können»

Das ist die Schuldenspirale – ein Teufelskreis, der weder neu noch ungewöhnlich ist. Zahlreiche Länder haben das erlebt, einige sogar wiederholt. Typischerweise sind Schuldenspiralen in wirtschaftlichen Krisen in kleineren Ländern wie Simbabwe, Venezuela und Sudan aufgetreten. Gelegentlich geraten jedoch auch viel grössere Länder in den Schuldensog. Siehe: Weimarer Republik 1921–1923, Russland 1917–1924, China 1946–1948 und Brasilien 1989–1994.

Die für das Währungssystem zuständigen Behörden sind sich der Schuldenfalle sehr bewusst und versuchen möglicherweise, diese durch finanzielle Repression oder durch eine Steuerung der Zinskurve (Yield Curve Control) zu verhindern. Sind steigende Zinsen das zugrunde liegende Problem, können die Fed und/oder das Finanzministerium die Zinskurve kontrollieren, um eine Obergrenze für die Zinsen auf Staatsschulden festzulegen. Dazu kaufen sie Schulden auf dem offenen Markt mit neu gedrucktem Geld und erweitern so ihre Bilanz (auch bekannt als Quantitative Easing). Ich glaube, dass die Kontrolle der Zinskurve in der nächsten Krise darin bestehen wird, dass die Zentralbank eines Landes Staatsanleihen kauft, um deren Preis zu stützen und einen Anstieg der Zinsen zu verhindern. Die Anleihen werden mit neu gedrucktem Geld gekauft, was sehr inflationär wirkt. Letztmals wurde die Zinskurvenkontrolle in den USA zur Finanzierung des Zweiten Weltkriegs eingesetzt.

Die Bilanz der Federal Reserve, die derzeit bei 7,2 Billionen Dollar liegt, könnte auf 25 Billionen Dollar oder sogar mehr anwachsen. Ein solch astronomischer Anstieg würde nicht nur die Bilanz der Fed aufblähen, sondern auch das Risiko einer weiteren Erosion des Vertrauens in die Kreditwürdigkeit des staatlichen Gläubigers mit sich bringen. Dieses Vertrauen ist entscheidend. Sollten die USA die von den Befürwortern der Modern Monetary Theory vertretenen Massnahmen vollständig übernehmen, könnte dies zu einem Vertrauensverlust in die Kreditwürdigkeit des Landes führen. Ein solches Szenario könnte dazu führen, dass der gesamte Markt für US-Staatsanleihen den Hammer fallen lässt und die Papiere der Fed überlässt. Mit über 36 Billionen Dollar Staatsschulden könnte die Bilanz der Fed auf über 42 Billionen Dollar anwachsen, was die finanzielle Instabilität noch verschärfen würde. Wäre die Fed gezwungen, alle ausstehenden US-Schulden aufzukaufen, würde sich die Geldbasis erneut mehr als verdoppeln, was zu einer verheerenden Inflation führen würde.

Schmerzhafte einmalige Neujustierung

Wir befinden uns in einer finanziellen Notlage, und zwar in einer ernsthaften. Wir haben eine enorme Menge an Schulden angehäuft, die realistisch gesehen kaum zurückzuzahlen sind. Darüber hinaus haben wir mehr Versprechen gemacht, als wir realistischerweise einhalten können. Jetzt ist es an der Zeit, uns den Konsequenzen zu stellen. Die harte Realität ist, dass unsere Schulden kein «gutes Geld» sind, zumindest nicht in Bezug auf die reale Kaufkraft. Wir könnten versuchen, sie durch das Drucken von mehr Dollars zu bedienen, aber das würde nur zu einer galoppierenden Inflation und weiteren wirtschaftlichen Turbulenzen führen. Eine weitere Möglichkeit wäre, unsere Verpflichtungen nicht zu erfüllen, was jedoch zu politischem Chaos und einer schweren Wirtschaftskrise mit weit verbreiteter Ungerechtigkeit und Not führen würde.

«Wir haben eine enorme Menge an Schulden angehäuft, die realistisch gesehen kaum zurückzuzahlen sind. Darüber hinaus haben wir mehr Versprechen gemacht, als wir realistischerweise einhalten können. Jetzt ist es an der Zeit, uns den Konsequenzen zu stellen.»

Angesichts der Gefahr einer verheerenden Inflation oder einer Wirtschaftskrise, die mit der Weltwirtschaftskrise vergleichbar wäre, könnten die politischen Entscheidungsträger eine dritte Option in Betracht ziehen: den monetären Neustart. Ein monetärer Neustart ähnelt in gewisser Weise einem Schuldenerlass. In der alten mesopotamischen und biblischen Tradition wurden alle 50 Jahre Schulden in grossem Umfang erlassen oder gestrichen. Monetäre Neustarts sind moderne, abgeschwächte Versionen davon. In den 1930er-Jahren griff Präsident Roosevelt auf eine Form des monetären Neustarts zurück, indem er den Dollar gegenüber Gold abwertete, um die Weltwirtschaftskrise zu bekämpfen.

Heute befinden wir uns in einer ähnlichen Situation. Der Dollar ist deutlich überbewertet, und wir haben viel zu viele Versprechen gemacht, die wir unmöglich einhalten können. Wenn diese Verpflichtungen zum Marktwert bewertet werden, wird zwangsläufig jemand verlieren; das ist eine unvermeidbare Realität. Wenn dieser Prozess jedoch zur Wiederherstellung einer soliden Währungseinheit führt, wäre der Schmerz ein einmaliges Ereignis und keine jahrelange oder jahrzehntelange Phase chaotischer Inflation oder Depression.

Die Sache ist die: Wir bewegen uns auf eine zunehmend inflationäre Welt zu, die bei falscher Steuerung in eine Hyperinflation ausarten könnte. Die Geschichte hat uns gezeigt, dass Hyperinflationen unglaublich chaotisch und zerstörerisch sind und Menschen und Gesellschaften in Trümmern zurücklassen. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht ist, dass sich diese Gesellschaften sehr schnell erholen, wenn sie zu einem soliden Geldstandard zurückkehren. Das Geld ist kaputt. Wir müssen es reparieren. Dieser Prozess wird schmerzhaft sein. Warum also nicht schnell und strukturiert vorgehen und dabei eine vielversprechende Zukunft auf der Grundlage solider Geldprinzipien versprechen?

Dieser Text ist ein leicht gekürzter Auszug aus «The Big Print: What Happened to America and How Sound Money Will Fix It» (Amazon, 2025). Aus dem Englischen übersetzt von Ronnie Grob. Der Beitrag ist auf schweizermonat.ch in der Originalsprache verfügbar.

  1. Eine Theorie, die von William Strauss und Neil Howe in ihrem Buch «The Fourth Turning» (1997) dargelegt wurde und einen wiederkehrenden Generationszyklus in der amerikanischen und westlichen Geschichte beschreibt.

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