Darknet – Freiheit im Untergrund

In seiner Grenzenlosigkeit wirkt das Darknet auf Libertäre wie eine Traumwelt. Die dort florierende Schattenwirtschaft konkurriert allerdings mit der Realwirtschaft. Und die muss, anders als kriminelle Unternehmer, Steuern zahlen.

Darknet – Freiheit im Untergrund
Die Fälschung von Ausweisen, wie man sie im Darknet findet, ist gemäss Art. 252 StGB untersagt. Verboten ist nicht nur das Fälschen und Verfälschen, sondern auch der Gebrauch eines unechten oder der Missbrauch eines echten Ausweises. Bild: Musterkarten eines Darknet-Anbieters, Screenshot & Collage: Schweizer Monat.

Am Boulevard steht ein hell erleuchtetes Kaufhaus. Seine Besitzer zahlen Steuern und müssen sich an die Gesetze halten. Wenn es seine Kunden befriedigt, kann es Gewinn erwirtschaften, wenn es sie schädigt, kann es verklagt und verurteilt werden. Dasselbe gilt für Kaufhäuser im Internet wie Amazon, Siroop oder Galaxus. Der Kunde hat aber natürlich auch andere Möglichkeiten, zu den Gütern zu kommen, nach denen er sucht. Er kann etwa jene dunklen Seitengassen aufsuchen, in denen zwielichtige Strassenhändler vor Schuppen mit schlecht sortierten, illegalen Waren stehen. Irgendwann, wenn er dann mal wieder hingeht, weil er Waren nachkaufen will oder eine Reklamation hat, sind sie einfach verschwunden. So etwa ist das Einkaufen im Darknet.

 

Deep Web

Aber wie funktioniert es im Detail? Zunächst: neben den frei zugänglichen Teilen des World Wide Web gibt es viele von Suchmaschinen nicht indexierte Teile, die unter dem Begriff «Deep Web» zusammengefasst werden. Die breite Masse benutzt sie täglich: passwortgeschützte E-Mail- oder Bankkonten zum Beispiel, Intranets oder Datenbanken. Das Darknet dagegen, ein kleiner Teil des «Deep Web», ist mit konventionellen Browsern wie Firefox oder dem Internet Explorer nicht auffindbar: es ist zugänglich mit einem Peer-to-Peer-System (P2P) oder mit dem Verschlüsselung garantierenden Browser TOR («The Onion Browser»). Trotz über 1,5 Millionen täglichen Nutzern weltweit, davon 10 000 bis 15 000 aus der Schweiz, ist der kostenlos installierbare TOR-Browser bisher ein zumeist von Spezialisten benutztes Nischenprodukt geblieben. Nachvollziehbar, denn noch ist es zeitraubend und umständlich, seine Privatsphäre im Netz zu bewahren.

Bemerkenswert am TOR-Browser, dem Zugang zum Darknet, ist, dass er von der US-Regierung entwickelt und finanziert wurde. 2011 bezahlte sie 60 Prozent des Budgets1, und auch heute noch weist das inzwischen unabhängige Open-Source-Projekt TOR das dem US-State Department angegliederte Bureau of Democracy, Human Rights, and Labor als einen seiner Sponsoren aus. Das Interesse der US-Regierung ist zunächst der Schutz von Demokratieaktivisten in unfreien Staaten. Aber auch die Verschleierung von Aktivitäten eigener Agenten. Diese, so die Legende, wären als alleinige Nutzer des verschlüsselten Browsers doch etwas auffällig geworden. Heute stellen Russland und Deutschland zusammengenommen gleich viele Nutzer wie die USA. In diesen drei Ländern wird der TOR-Browser am häufigsten benutzt.2

 

Drogen

Eine Studie der Carnegie Mellon University von 20153 errechnete ein tägliches Handelsvolumen von 300 000 bis 500 000 US-Dollar im Darknet. Den grössten Teil des Warenangebots machen Drogen aus, und das ist kein Zufall. Es ist bequemer und sicherer, im Darknet einzukaufen, als einen Dealer persönlich zu treffen. Wie beim Drogenkauf im Hinterhof fürchtet der Einkäufer dreierlei: Selbst ertappt zu werden von der Polizei. Das Verschwinden des Händlers mit dem ihm anvertrauten Geld, also die Unterlassung einer Gegenleistung. Und die Verhaftung des Händlers, also die polizeiliche Erlangung von Informationen über den Käufer. Nicht zu fürchten dagegen hat der Käufer physische Gewalt des Verkäufers, da die Transaktion nur online abläuft. Wird sie über einen etablierten Darknet-Händler abgeschlossen, ist sogar das finanzielle Risiko überschaubar.

Einige der Drogenanbieter geben sich alle Mühe, nicht wie undurchschaubare Dealer, sondern wie vertrauenswürdige Produzenten aufzutreten. Die Bewertungen des Händlers «Hashishmaster» auf dem Branchenblog Deepdotweb.com etwa loben nicht nur die gute Kommunikation des Marihuanapakete aus Kanada schickenden Produzenten, sondern explizit auch seine herausragende Ware. Man habe es hier nicht mit einem «Dealer» zu tun, sondern mit einem echten, erfahrenen «Farmer». Seine Kunden, die angeben, aus Japan, Frankreich oder Grossbritannien zu stammen, schreiben übereinstimmend, sie hätten einwandfreie Ware erhalten, und das bereits drei bis sechs Tage nach der Bestellung: «Er ist einfach der Beste. Und es ist so schwierig, im Darknet einen echten, leidenschaftlichen Bauern zu finden, der nicht nur auf Geld aus ist», so eine Kundenbewertung.

Darknet-Marktplätze gibt es viele. Silk Road, gegründet 2011, war bis zur Schliessung…

Optionen-Vernichtungs-Maschine
Grenzen als Investitionshemmnisse: Wer Arbeiter nicht ins Land lässt, kann auch deren Humankapital nicht erschliessen. Bild: Grüne Grenze zu Deutschland in Rüdlingen, Kanton Schaffhausen, photographiert von Philipp Baer.
Optionen-Vernichtungs-Maschine

Dürfte jeder Mensch frei entscheiden, in welchem Land er arbeiten will, wäre die Welt reicher und stabiler. Eine Gedankenübung.