Daniel Borel im Gespräch

Die Computermaus, sagt Logitech-Gründer Daniel Borel, sei wie aus dem Nichts entstanden. Am Anfang war die Gewissheit, an einer Revolution teilzunehmen.
Es folgte eine bewegte Geschichte. Am Ende steht eines der führenden Unternehmen der digitalen Welt. René Scheu traf Daniel Borel in Morges zum Gespräch.

Herr Borel, mögen Sie Filme?

Durchaus. Warum?

Kennen Sie «Terminator» mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle? Der Film handelt von einer düsteren Zukunft, in der die Maschinen die Menschen beherrschen. Er kam 1984 in die Kinos, just zu jener Zeit, als Sie nach Ihrer Rückkehr aus Kalifornien in Lausanne am Aufbau ihrer Computerfirma Logitech arbeiteten.

Ich kenne den Film, klar, aber er hat keinen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. «Terminator» ist eine endzeitlich aufgeladene Neuauflage des Klassikers «Modern Times» von Charlie Chaplin. Ich glaube nicht daran, dass die Maschinen die Menschen beherrschen. Gott sei Dank verhält es sich vielmehr so, dass die Menschen die Welt beherrschen, und das wird auch in Zukunft so bleiben. Die Technologie ist nicht dazu da, die Menschen zu kontrollieren, sondern hilft ihnen, ihre Träume zu verwirklichen.

Viele Philosophen des 20. Jahrhunderts sehen in der Technik eine grosse Gefahr für die Menschen. Martin Heidegger sagte 1965 in einem Vortrag, im Zeitalter der Technik werde der Mensch zunehmend als «Störfaktor in der kybernetischen Rechnung» betrachtet.

Das ist völlig falsch gedacht. Nehmen wir ein aktuelles Beispiel: die Börse. Es stimmt zwar, dass heute niemand mehr weiss, auch nicht der beste Bankier, was an der Börse passiert. Die Wirkungen sind völlig unvorhersehbar; das technisch gestützte Finanzsystem überfordert das menschliche Gehirn, die Technik hat den Menschen überholt. Ist das schlimm? Nein, denn der Mensch wird versuchen, sich das System wieder anzueignen – mit Hilfe der Technik. Der Mensch hat die Technik erfunden; sie ist keine von ihm unabhängige Schicksalsmacht, sondern steht letztlich in seinem Dienste.

Heidegger geht von einer irreversiblen und letztlich unkontrollierbaren Dynamik der technischen Entwicklung aus: was machbar ist, wird auch gemacht…

…das ist Metaphysik. Der amerikanische Manager Jack Welsh hat einmal gesagt, wer das Schicksal nicht in seine Hände nehme, liefere sich ihm aus. Der Mensch trifft letztlich die Entscheidung. Das gibt mir ein gutes Gefühl. So unvernünftig der Mensch im kleinen auch manchmal handeln mag, im grossen und ganzen ist er in der Lage, negative Entwicklungen zu korrigieren. Er schafft Probleme – und löst sie. Ich habe jüngst an einer Veranstaltung an der ETH Lausanne teilgenommen, in der die Frage aufgeworfen wurde: Wird Venedig überleben? Angesichts des Klimawandels, der schmelzenden Eismassen und der steigenden Meeresspiegel ist davon auszugehen, dass die Stadt nicht überleben wird. Wenn der Mensch sich aber anders entscheidet, kann er sie unter Aufbietung finanzieller und technischer Ressourcen dennoch retten.

Kommen wir auf Ihr Geschäft zu sprechen: Logitech stellt Interfaces her, Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine.

Als ich in den 1970er Jahren Informatik an der Universität Stanford studierte, kam ich mit der digitalen Welt der Mikroprozessoren in Berührung. Es herrschte Aufbruchstimmung und die Gewissheit, dass die digitale Revolution das Leben der Menschen verändern würde. Ich besass nichts, doch war mir klar, dass ich an diesem Aufbruch teilhaben wollte. Zusammen mit anderen Informatikern, entwickelte ich zuerst ein Textverarbeitungsprogramm. Dann kamen wir, mehr durch Zufall, zu einem Vertrag mit der japanischen Firma Ricoh, die Kopiergeräte und Photoapparate herstellte; für sie entwarfen wir ein graphisches Interface für das Desktop-Publishing, wie das damals hiess. Auf der Suche nach einem natürlichen Interface stiessen wir auf die Maus, die 1963 von Douglas Engelbart am Stanford Research Institute entwickelt worden war. Es gab also die fortgeschrittene japanische Technologie, es gab die Idee der Maus, wir kannten aus unserer Stanford-Zeit das Arpanet, wie damals das Internet genannt wurde, und die Arpanet-Leute in New Jersey, Berkeley und Boston suchten ein neues Interface. So machten wir uns an die Programmierung einer solchen Maus. Als Leute von Hewlett-Packard von unserem Projekt erfuhren, kamen sie auf uns zu und halfen uns bei der Produktion. Plötzlich…

«Der Entkalker fürs Hirn:
Nicht links, nicht rechts –
einfach intelligent!»
Dominik Imseng,
Managing Partner bei smartcut consulting,
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