Corona in Zahlen
Jannik Belser, zvg.

Corona in Zahlen

Ein kurzer Rückblick auf über ein Jahr der Pandemie.

 

Der Oxford Stringency Index misst mit über 20 Indikatoren die Strenge der Coronamassnahmen in einem Land. Wurden die Schulen geschlossen? Gibt es Ausgangssperren? Sämtliche Massnahmen werden in einen Index verpackt, jedem Land wird nach der Strenge seiner Massnahmen ein Rating auf einer zunehmenden Skala von 0 bis 100 erteilt. Der Blick auf die Weltkarte offenbart: Während sich die ganze Welt im April 2020 im harten Lockdown befindet, reagieren viele Staaten ein Jahr später lockerer. Die Regierungen Afrikas zum Beispiel verstanden ihr Eingreifen in der Frühphase der Pandemie als teuren, aber wertvollen Zeit­beschaffer, um in unsicheren Zeiten das Gesundheitswesen aufzustocken.1 Anders in Europa: Hier scheint ein «Lockdown» auch im Jahr 2021 grossmehrheitlich als Allzweckwaffe zu gelten, die in sämtlichen Phasen der Pandemie die Ausbreitung des Virus eindämmen soll.

Unterschiedliche Strategien sorgten im vergangenen Jahr für Schlagzeilen: Das berühmt-berüchtigte Schweden zum Beispiel machte sich während der ersten Welle mit verhältnismässig ­laxem Eingreifen einen Namen – und wurde so zum Feindbild vieler Massnahmenbefürworter. Ein Blick in den Oxford Stringency ­Index zeigt: Der schwedische Weg zeichnet sich nicht unbedingt durch übertriebene Lockerheit, sondern vielmehr durch seine Konstanz aus. Getrieben von «Test and Trace» sowie Handlungsempfehlungen an die eigene Bevölkerung verzichtete man auf härtere Massnahmen wie Restaurantschliessungen oder Ausgangssperren. Ganz anders in Kontinentaleuropa: Sowohl Frankreich, Deutschland als auch die Schweiz setzen auf eine Auf- und Abkühlstrategie auf unterschiedlichem Niveau.

Im Ländervergleich zeigt sich: Es gibt kaum einen direkt sichtbaren Zusammenhang zwischen der Massnahmenstrenge und der Anzahl der bestätigten Todesfälle. Obwohl Frankreich ab Mitte März während der ersten Welle den härtesten Lockdown fährt (87,96 auf dem Stringency Index), explodieren im April die Todesfälle. Und obwohl Deutschland in der zweiten Welle ab Mitte Dezember die Schraube anzieht, entwickeln sich die Todeszahlen sehr ähnlich wie in Schweden, das mehrheitlich an seiner Strategie festhält.2

Über den Nutzen und Schaden der weltweiten Lockdown­massnahmen wird gegenwärtig kontrovers diskutiert. Die jüngste Metastudie des kanadischen Ökonomen Douglas Allen kommt zum Schluss, dass die Nutzen des Lockdowns vielerorts überschätzt wurden.3 Studien, die die Wirksamkeit von Lockdowns belegen sollen, hätten teilweise fragwürdigen Grundannahmen unterstanden. Das vielbeachtete Paper des Teams rund um den britischen Epidemiologen Neil Ferguson4 zum Beispiel, das vielen Regierungen als wissenschaftliche Grundlage der Lockdowns diente, hätte die Mortalitätsrate zu hoch und unabhängig von Altersunterschieden berechnet. Zudem nahm Ferguson in seinen Szenarien an, dass die Kapazitäten der Spitäler fix seien und sich Individuen ohne staatliche Vorschriften keineswegs in ihrem Verhalten an die Existenz eines Virus anpassen würden. Allen stellt ausserdem fest, dass zahlreiche Studien gar nicht untersuchen, ob sich Individuen denn auch an die verordneten Massnahmen halten: Dem tatsächlichen Verhalten der Menschen im Umgang mit dem Virus werde kaum Beachtung geschenkt.

«Ein Sprudelbad fürs Hirn!»
Monique Bär, Philanthropin und Gründerin der Arcas Foundation,
 über den «Schweizer Monat»