Cinéma

In einem Land für alte Männer – zwischen Grauen und Dämmerung

Cinéma

Harry, ein Mann ohne nennenswerte Vergangenheit und allzu viel Wissen, besteigt den Bus zur Endstation Traumfabrik. Goldene Ulmen gehen mit dem Wind, ein Spatz fliegt über sein Nest, auf einer kristallklar polierten Glatze glänzt die Sonne, Harry ist Zeuge. Durch das Fenster zur Strasse schaut er auf die Lichtsignale der Kleinstadt und damit zeitlos in den Herbst. Mit den Fremden im Bus überquert er die Brücke am Quai. Auf der linken Seite entspringt ein Fluss, darin schwimmen grosse Fische, Welse mit Namen. Rechts spiegeln sich gigantische Schatzkammern silbrig im See, darauf schaukeln Boote, allesamt voll Vogeldreck oder Sternenstaub, durch die mattglasige Scheibe ist das nicht zu entscheiden. Die Wässer sind ruhig, keine Welle bricht, Meer ist bestenfalls im Innern.

Kurz revoltiert dann die Strasse. Im verflixten vierten Kreis fährt der Busfahrer gegen die Wand des Verkehrs an. Auf der anderen Seite wäre die grosse Freiheit Nummer eins, aber der Weg aus der Realität ist eine Einbahn. Nichts geht mehr. Harry blickt ins Leben der anderen. Schmalspurpolizisten umringen übliche Verdächtige, ein Mann mit schwarzem Colt redet auf seinen liebsten Feind ein. Mit einer Lizenz zur Ordnung machen zwei Schweizer Ausländer und vertreiben den Hauch des Lebens. Gerührt beobachtet er die Kinder der Langstrasse und wird plötzlich von seinem sechsten Sinn geschüttelt; die Reise verliert an Hoffnung, der Himmel über Harry verdüstert sich.

Er folgt dem Schatten seines Zweifels und prüft das Werk seiner orangenen Uhr: sieben vorbei. Die Angst beisst eisern zu, er fühlt die Feuerzange im Nacken, sieht eine unsichtbare Zweite Cocktail trinken, oder Bowle, und fürchtet jetzt die Apokalypse, denn er weiss, was er nicht tun soll. Wer zu spät kommt, lernt die Waffen der Frauen kennen. Harry rennt. Und rennt. Und rennt. Am Ende seines Atems – und der Strasse – erreicht er sein Mädchen, Sandy, die kein Glas, sondern eine Tüte Popcorn in der Hand hält. Mit geschlossenem Mund schaut er in ihre kleinen Augen und seine Furcht stirbt, wenn auch nur langsam. Das Fräulein rückt mit goldberingten Fingern Harrys zerwirbelten Lockenkopf zurecht; energisch zwar, aber doch nicht wie ein wilder Stier. Eher tritt die Frau als Lamm auf, nur ohne jede Neigung zum Schweigen.

SANDY

Gleich geht das Licht aus, wo warst du nur, my precious?

HARRY

Im falschen Film.

«MONAT für MONAT
eine sinnvolle Investition.»
Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
über den «Schweizer Monat»