CH/D: Nachbarn, Partner, Gegenspieler

Über eine Nachbarschaft mit Tücken.

CH/D: Nachbarn, Partner, Gegenspieler

Als der deutsche Kaiser Wilhelm II. im Jahre 1912 die Schweiz besuchte, wurde er jubelnd empfangen. Er dankte es und bezeichnete die Schweiz als «wohlgeordneten, allen friedlichen Bestrebungen zugewandten, auf seine Unabhängigkeit stolzen, neutralen Bundesstaat». Wilhelm II. wusste, worauf gute Beziehungen zwischen Staaten  gründen. Und fand für die Schweiz lobende, ja fast schon pathetische Worte: «Mit einzigartiger Naturschönheit ausgestattet, auf militärischen, wissenschaftlichen, künstlerischen, industriellen, technischen und wirtschaftlichen Gebieten fleissig vorwärtsstrebend, hat der inmitten Europas gelegene schweizerische Staat allgemeine Achtung und Anerkennung sich erworben.»

Vor beinahe 100 Jahren stellten Deutsche rund 21 Prozent der Zürcher Bevölkerung, heute sind es 12 Prozent. Wenn Angela Merkel oder andere Repräsentanten aus Berlin in die Schweiz kommen, werden sie freilich nicht mehr mit wehenden Fähnchen empfangen. Auch umschmeichelnde Worte sind beiderseits eher Mangelware. Es herrscht neue Nüchternheit; zumeist ist die Rede von «gutnachbarschaftlichen Beziehungen».

Die Nachbarschaft hat ihre Tücken: die von Einwanderern geschätzten Standortfaktoren der Schweiz sind beidseits des Rheins zum Politikum geworden. Von einem Brain Drain wird dort erzählt, während man hier die Dominanz des Hochdeutschen auf dem Krankenhausflur beklagt.

Die wirtschaftliche und kulturelle Nähe lässt vor allem die Deutschschweizer ihr Verhältnis zu Deutschland immer wieder aufs neue definieren. Selbstbestimmung durch Abgrenzung: dies dient der Emanzipation, schafft Raum, wo wenig war – bringt aber auch das Missverständnis auf die Tagesordnung.

Unsere Autoren und Gesprächspartner kennen die wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Implikationen dieses schwierigen Nachbarschaftsverhältnisses. Sie sind gefeit vor Klischees, gängigen Vorurteilen und kurzsichtigen Analysen. Sie erzählen von einer fruchtbaren Nachbarschaft, die nie ganz einfach war – und es wohl auch niemals sein wird.

«MONAT für MONAT
eine sinnvolle Investition.»
Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
über den «Schweizer Monat»